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Wir schweigen aus Eitelkeit und Zeitnot


..... Die beiden spielen seit 1991 zusammen. Einmal die Woche. Außer, sie setzen mal ein paar Jahre aus. Was dabei entsteht, kann man ohne Übertreibung als „Musik“ bezeichnen.

Sie sind nicht nur Musiker. Wochentags zum Beispiel gehen sie diversen anderen Tätigkeiten nach, wozu gerade bei Ingo Herzog auch Arbeiten gehört. Nach manchem Hin und Her hat er sich berappelt und bis zur Erschöpfung Geld und Überstunden für China angehäuft. Das ist dieses große Land im Osten mit den hübschen Schriftzeichen, von denen er heute die ersten zigtausend beherrscht. Er ist inzwischen wieder dort hingezogen und lebt wieder dort.

Zweiter Pausenanlass waren die Auslandsaufenthalte seines Schul- und Bandkollegen Marc Hieronimus. Der war aus Sprach- und Studiengründen in den weniger exotischen Ländern Frankreich und England, in ersterem sogar wiederholt und jahrelang. Das wichtigste Ergebnis: „Doktor Ron“ ist Vater dreier Kinder. Der besten, versteht sich.

Ingo hat unter anderem gemalt, Ron gedichtet, wovon sich Spuren bis heute (oder bald wieder) im Datenstrom finden lassen. Der einfachste Weg dorthin geht über die Links.

Anfangs mischten bei der Musik noch andere mit, die Texte waren schulenglisch, sie nannten sich auch anders. Wahrscheinlich waren sie es gar nicht.
Dann fingen sie sich. Wurden besser, was nicht schwer war. Seit 2000 sind sie grau und nur noch zu zweit.

Ingo Herzog singt, spielt meist den Bass und manchmal die Gitarre. Er kauft Zubehör fürs Studio wie andere Leute Socken oder Häuser. Außerdem kann er auch rechnerisch und grafisch was. Mindestens.
Marc Hieronimus trommelte immer schon, sang erst gar nicht, dafür jetzt ständig. Die Basssaiten sind ihm zu dick, die der Gitarre viel zu viele, aber einer muss es schließlich machen. Er glaubt auch, sich mit Texten auszukennen.

Seit Februar 2015 ist es so weit: 20 (in Worten: zwanzig) neue Stücke sind im Netz. Das graue Album. Neue Themen, neue Stile. Selbst Ron und Ingo sind nicht mehr dieselben.

Foto von grau 2015 (Ingo Herzog und Marc Hieronimus)


Zwei, vielleicht drei Alben gehören zur grauen Vorzeit, zur Vorzeit von grau:

1998 - Festplatte

Festplatte
...
Eine Festplatte war früher einmal mit Köstlichkeiten wie dampfendem Fleisch oder erlesenem Obst garniert. Erst seit kurzer Zeit speichert man auf ihnen Ballerspiele, Pornos und sein Leben mit allen Hochs und Tiefs. Diese hier wurde 1998 in einer Schulküche belegt, zusammen mit einem inzwischen ausgestiegenen Gitarristen.


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Link Nr. Titel Bemerkung
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01
Reisebilder
Eigentlich nur ein... bunter Trip ins drogenliberale Nachbarland. Dürfte halb so schnell noch besser kommen.
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02
Was ich noch sagen wollte
Ist so ein Ding mit der Sprache: Tausende Wörter, aber nie das rechte Wort. Noch zu viert entstanden.
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03
Dein
Schrei dein Liebesgedicht aus voller Kehle, mach Musik dazu, mit etwas Glück geht es als schmalzfrei durch.
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04
rosarot
Das Stück ging gar nicht. Und weg damit.
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05
Nichts
Der sonderbare Rhythmus machte Angst zu seiner Zeit. Das Nichts ist mehr als eine philosophische Kategorie: Ist man nur recht gestimmt, lauert es in jedem unbeschäftigten Moment.
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06
Es dürfte nicht sein
Auch dieses Stück ... also nein, das können wir besser.
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07
Abgang
Wortspiele mit trennbaren Vorsilben. Abgehen ist beides, abtreten und austicken. Und beides will gut vorbereitet sein.
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08
Verborgene Leidenschaft
Vergewaltigung. Darf man so eigentlich gar nicht drüber singen. Kommt auch nicht wieder vor. Aber wow ist das schnell!
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09
Lösche aus die Heiligenscheine
Mystischer Punk aus anglophoner Frühzeit. Wütend, der Mann am Mikro!
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10
Zehn
Mut zu epischer Länge, Orgeleinsatz für die Untertöne, vertiefte Bläserei.

1999 - daher

daher
...
Daher ist ein Wort, das Grund oder Herkunft bezeichnet, „von dort“ und „darum“. Man könnte sagen: Ein- und Ausflüsse. Hier haben die (immer noch) drei 1999 die genießbarsten Stücke der Vorzeit ins Deutsche übersetzt, noch einmal eingespielt und mit ein paar gar nicht mal so schlechten neuen zusammengestellt. Danach packte der dritte Mann endgültig Flöte und Gitarre ein; weiter wollte er wohl nicht kommen.


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Link Nr. Titel Bemerkung
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01
(Ohne Titel) Die Einleitung. Toll, was sie damals auf diese Geräusch-CDs packten.
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02
Zeit
Frühes, übersetztes Stück. „Was aber ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich’s, will ich’s aber einem Fragenden erklären, weiß ich’s nicht.“ (Augustinus)
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03
Danke
Darf man Punk nennen. Mit all dem Eltern- und Kirchenkram, der für gewöhnlich dahintersteckt.
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04
Mein Gott
Noch so eine Abrechnung. Schön, melodiös. Sogar „Ficken“ kommt drin vor.
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05
Spuren
Spüren, Spuraufnahmen, Trott, Kreislauf. Und gucken, was die Effektgeräte so können.
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06
TraumA.)
Wahrscheinlich erster konsequenter White-Noise-Einsatz, zu mystischem Text.
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07
Keiner hat gefragt
Der Text war in ein paar Minuten da. Der Titel brauchte zwei Stunden.
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08
Hinab
Klingt auch auf Deutsch noch. Denn Picking und mehrstimmiger Gesang passten schon zusammen, als jeder der beiden froh war, eines halbwegs zu beherrschen.
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09
Nichtschwimmer
Alles fließt (πάντα ρει), Heraklit. Und man steigt nicht zweimal in denselben Fluss. Aber was machen die Nichtschwimmer?
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10
Tanelorn
Tribute to Michael Moorcock. Wenn Literatur noch etwas kann, je etwas konnte, dann nur an ihren Rändern.
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11
Menschliches Versagen
Was soll man sagen? Keine weiteren Fragen...
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12
Dahin
(Un)Easy Listening. Fahrende Züge, Zischelbecken. 9 Worte. Minimal Art.
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13
Brandsatz
Feuer kommen ohne Worte aus, sind herrlich, reinigend, berauschend, besonders selbst gelegte: Man schafft und vernichtet zugleich.
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14
Ist halt so
Auch dieses Stück würden wir so nicht mehr machen, sondern gar nicht.
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15
del *.* /s
In der Wirtschaft spricht man seit Schumpeter von „Kreativer Zerstörung“, weshalb ja auch der Krieg so belebend ist. Das Löschen der eigenen Festplatte ist vorab mit dem Therapeuten zu besprechen.
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16
(Ohne Titel) Wieder von einer Geräusch-CD entnommen.
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17
Wartesaal
Verzerrung und Delay können was. Zumal wenn man die Zeit vertrödelt, die man gar nicht hat.
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18
Die ertrinkenden Köpfe der Gerechtigkeit sterben alle nacheinander und ich stehe alleine in Trauer
Versuch: Spiele ein Stück immer schneller und staune Jahre später, wie knackig du damals schon warst.
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19
(Ohne Titel) Der Abspann. Toll, was sie damals auf diese Geräusch-CDs packten.
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20
Was spricht dagegen ?
Selbstmordgedanken. Hat man schon mal.

2000 - Auf der Suche nach Fluchtpunkten

auf der Suche nach Fluchtpunkten
...
„Es gibt kein richtiges im falschen Leben“ hieß es früher, als die Menschen über das ihre gelegentlich noch nachdachten.
2000 war der dritte Mann abgesprungen, der Traum von der Einheit dahin. Verstört, aber endlich unter richtigem Namen haben die beiden ein paar Mustermenschen auf der Suche nach Fluchtpunkten ersonnen.
Das wurde nichts Heiteres, sondern Irrmusik: Strenge, aber sich überlagernde Rhythmen, Geräusch, Geschichten von Menschen, die - seht her! - WIRKLICH verrückt sind. Gut, wenn man noch mit dem Finger auf andere zeigen kann. Verstörmucke. Sonderbar.


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Link Nr. Titel Bemerkung
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01
Hr. Klett
Rhythmusfrickelei um einen Stalker. Der ganz normale Abgrund.
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02
Fr. Fames
Scheiße, wenn sie auf ihren Mann fixiert ist. Und der plötzlich auf andere Männer steht.
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03
Zimmer 454
Der Horror, dem wir uns nicht stellen: In den Altenheimen leben gar nicht „die Alten“, sondern wir. Nur eben jetzt noch nicht.
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04
DIN A6 120g holzfrei
Ein Typ schreibt auf Karteikarten, was seine Frau bislang für ihn behalten hatte: Sein Leben. Und das hat eigene, widerstreitende Rhythmen.
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05
Hr. Mezler
„Eigentlich war er ganz nett“, im Nachhinein will keiner was gemerkt haben. Mut zur Länge im Anblick des Grauens.
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06
Tapetenwechsel
Manch einer will nur weg. Aber der ganze bedeutungsschwangere Krempel steht im Weg.
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07
Am Strand sollen jetzt Häuser stehen
Manch einer kommt zurück. Und traut sich am Ende doch nicht.
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08
Fr. Meier Kasse 4
Kein besserer Ort für Einsamkeit als mitten in der Masse.
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09
Tanja
Tanz war einmal ein extatisches Gemeinschaftserlebnis und die Trommel sein erstes Instrument. Heute imitieren beide die Maschine, die uns beherrscht bis in die letzten Winkel.
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10
Hr. Funke
Was gibt es Noise. Heute geben sie den Stimmenhörern harte Drogen. Früher waren sie Propheten.

... dann haben wir uns gefangen.

2003 - Blei

Blei
...
Es kam eine wichtige, wenn auch gelegentlich bleierne Auszeit. Blei ist weich und zieht lotrecht nach unten. Früher schrieb und baute man damit oder lotete Tiefen aus, dann stellte sich heraus, dass das Zeug träge und blöde macht. Aber es gibt ja noch andere Elemente und Substanzen. Als grau sich 2002/03 wieder an die Instrumente machten, gab es mehr Musik als Text. An dieser Stelle vielen Dank an Stephan Hamacher, der das Cover gestaltet hat.


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01
Vakuum
Dieses Stück war schon auf der CD leer. Es ist dadurch entstanden, dass wir zu den Liedern auch das Cover in computerlesbarer Form auf die Scheibe gepackt haben.
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02
Kupfer
Leitet, hält die Pilze fern. Instrumental, rhythmisch noch bei den Fluchtpunkten.
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03
PVC
Steckt was weg, wird wie das weiße Rauschen im Hintergrund ganz langsam immer mehr. Warnend-sentimentales Psychokracherchen.
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04
Titan
Brauchen sie fürs Militär, aber auch zu zivilen Zwecken, wie alles, was der Mensch hervorbringt. Instrumental knackig.
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05
Schwefel
Instrumental-industrial, aber kontrolliert handgemacht.
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06
Brom
Die gleichnamigen Beeren enthalten keins, angeblich aber der Abstumpfungstee vor dem Heeresmarsch, als das einem das Leben manchmal vorkommt.
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07
Neon
3 gegen 4 gegen 5 mit anderen sprachlosen Ideen à la 9/8 verknüpft.
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08
Quecksilber
Giftiges Alchymistenzeug. Am Ende geht es kraftvoll um tiefe Temperaturen.
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09
Ozon
Mehr zu spielen als zu sagen. Nach Ozon riecht es angeblich vor Gewittern, aber O3 ist geruchlos und ganz oben in der Athmosphäre bedenklich selten geworden.
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10
TNT
Punkiges Feiersprenglied um Alfred Nobels wirkmächtige Erfindung.
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11
Zinn
Düsterer Instrumental-Rock. Erster Einsatz der Zither.
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12
Blei
3/4-Folk, was immer der Rest auch sei und welches Folk das hören mag. Verse mit 3 Binnen-, einem Endreim: die Frickelei auf den Text verlegt.
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13
Phosphor
Eigenartiges Zeug und Stück. Flüstergrusel.
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14
Sauerstoff
Die Happy-poppy-Mucke mit 2 Bässen, weil das bässer ist. Es gibt sogar einen Text, aber ohne ist schöner.
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15
Diamant
Schönes Gekreische, wie Industriediamanten, die Sägeblätter schneiden. Aber wo kommen die anderen Geräusche her?
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16
Helium
Zweite Zitherpartie. Leichtes Treiben im sonst luft- und wortleeren Raum.
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17
Platin
Edelmetall, teurer als Gold, ohne die Bedeutung. Die ist nur in unserem Kopf.
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18
Wachs
Auch für Lieder sollten Altersbeschränkungen gelten. Dieses ist ein Ritz-Lied. Aber keine Sorge: Wer es tun will, tut es richtig. Die anderen wollen nur Liebe. Und spielen.
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19
Gold
Warum sind sie alle hinter ihm her und ruinieren dafür sich und alles/alle um sich herum? Vielleicht bloß, weil es so heiter glänzt.

2007 - Tod und so

Tod und so
...
Wieder eine Pause: England, Frankreich. Der Beschluss 2005, wieder auf die Bühne zu treten, also spielbare 2-Mann-Musik zu machen, unplugged, durchgehend zweistimmig. Worüber? Über Gott, die Welt und Tod und so. Meist geht es um das „und so“, nämlich das langsame Zerbrechen einer, der Liebe durch die Veränderung der Partnerin. Das hätte den für die Texte Hauptverantwortlichen wahrscheinlich zerrieben, wenn sich aus all diesem und anderem Elend nicht all die feinen Lieder hätten schreiben lassen. Der frühere Sänger nahm sich bescheiden zurück, indem er die zweiten Töne sang, dafür imponierte er schon optisch mit seinem „Mordsinstrument“, dem Kontrabass.


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01
Einen Tag lang
Die anderen, die Gefühle, das Leben selbst ermüdet, wenn über allem dieser Grauschleier hängt. Einen Tag lang tot sein wäre ein Kurzurlaub.
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02
Irgendwas ist immer
Dabei könnte es so schön sein. Man hüte sich vor Idyllen und Konjunktiven.
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03
Zehn Jahre
Auch dieses Stück mögen wir nicht mehr. Werden halt (wenn auch nicht weiser) zumindest älter.
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04
Das Paradies auf Erden
Ein Lieblingsstück. Zu zweit ist es wirklich besser. Manchmal.
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05
Immerhin gut, wenn man Freunde hat
Ohne geht es nicht. Wenn es mit auch nicht geht, läuft irgendwas falsch.
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06
früher
Früher war es besser, keine Widerrede. Es geht darum, aus der Restzeit was zu machen, damit es auch in Zukunft früher besser gewesen sein wird (Futur 3,5).
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07
Der Tod ist nah
Wieder keine Partymucke. Sag deinem Gegenüber, dass auch er oder sie einmal sterben wird, und sieh, was passiert. Sofern du selber den Gedanken erträgst.
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08
Zu viel
Schönes Gefrickel zu uralter Akkordfolge, dann Befreiungsstück.
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09
Vielleicht wird alles gut
Lustig. Gut wird es natürlich nicht. Aber die Einstellung ändert mitunter alles.
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10
kleine Schritte
Milde, fast schon altersweise. Oder wie sagt man „resigniert“ auf deutsch?
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11
Ich habe geglaubt
Perfekt. Nicht musikalisch (wahrlich nicht!), aber grammatisch. „Vorbei“, mit anderen Worten. War ein Hammer, damals. Der, der die ganze CD bestimmen sollte.
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12
Noch sind wir zu zweit
„Und dann / irgendwann / wenn man es gar nicht brauchen kann / fängt man wieder zu denken an...“ Trotzdem stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt. So bringt man sich um das eine Leben, das man hat.
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13
Glück im Unglück
Noch ein Lieblingsstück. Wenn man sie gut kennt, ist auch die Trostlosigkeit tröstlich.
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14
In der Zwischenzeit
„Wir halten uns bereit“. Nicht einmal blinder Aktionismus: Wütendes Leben im falschen Rahmen.
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15
Ich kann nicht mehr
Das sagt man so und macht dann doch noch immer schlimmere Jahre weiter.
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16
Genug ist nie genug
Doch! Von diesem Stück hatten wir irgendwann genug.
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17
genial
Die narzisstische Kränkung. Ironie in kleinen Dosen bietet Linderung.
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18
Sag mir
Kapo im vierten Bund. Nachspielen und in die Welt tragen, bitte.
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19
Laß uns lieb sein
Friedlich und niedlich auch. Tun wir so als ob. Oder werden wir erwachsen.
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20
Hoffnung ist Routine
Die kleine politische Aufrichtung. Das Gute hat die Liebelei: Der globale Irrsinn dringt kein bisschen durch.

2015 - Das graue Album

das graue Album
...
Fünf Jahre Pause in Frankreich und China und zweieinhalb Jahre samstäglicher Rausch. Vier unveröffentlichte und verbesserte alte, sechzehn neue Stücke. Zwei Lebensgeschichten. Ein gutes Dutzend Stile. Sieben Instrumente, zwei Sänger und zwei kleine Sängerinnen. Und keine Lust mehr, noch irgendetwas anderes zu hören.


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01
Ferngespräch
Als Gedicht ein wenig kitschig, als Lied mit Post-Punk-Schlagzeug und 360bpm-Bass nur zum Mitwippen. Heidewitzka!
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02
Du machst mich funk
Wah-Wah + 7/4 + akustische Gitarre = die Neuerfindung des Funk.
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03
Will ich bei Dir sein
Im Text noch Nebensatz, als Titel eine gute Frage. Maschinentakt, damit sie nicht aufkommt.
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04
Danke, dass Du gehst
Danke für die Zeit - und dass sie vorbei ist! Kurz „danach" geschriebener Dreiteiler.
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05
Ich tu mir leid
Gleiches Thema, anderer Ansatz. Vielleicht sollten wir doch Comedy machen.
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06
Gern
3/4, das sind Walzer und Märsche. Außer, die Verzerrung macht etwas ganz anderes daraus.
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07
Die Wahrheit
Die ist bekanntlich die geilste und die schlimmste aller Frauen. Und wir sind irgendwo dazwischen.
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08
Woanders hin
Das jüngste Stück, halb leise, halb krachig. Ist das Leben auch bald wieder rum...
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09
Krummes Holz
Ein 2007er Stück neu aufgenommen. Der Mensch sei daraus geschnitzt, sagt dieser Kant.
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10
Endlich bei Dir
Nämlich bei dir selbst. Weshalb jeder mal „weg" sein sollte.
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11
Paarreime
Kleine Verse zu Zischelschlagzeug und Verzerrung: Uneasy Listening.
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12
Leute
Noch ein altes. Wer mag schon die Leute. Aber ganz ohne geht's auch nicht.
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13
Es geht mir zu gut
Das Ende der Welt wird erstmal verschoben. Aber Übermut klingt anders.
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14
Ganz normal
Was ist schon normal? Der Wahnsinn. Der Refrain dürfte „Dub" sein.
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Kurios
Wir können auch Pop, mit einfachen Riffs und Liebe und so. Für Daniela (†2013).
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Tanzt
So würden die Fanta-4 klingen, wenn sie was zu sagen hätten. Und Instrumente spielen könnten.
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17
Lasst Euch Zeit
Zither und sphärischer Synthie. „Stoner Wave", vielleicht.
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18
Morgenmusik
Musik als Teppich, Wand und Wattebad. Musik statt Drogen.
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19
Auf der Kippe
„Die Reime seien dir verziehen", sagte sie.
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20
Nochmal von vorn
Zum Schluss noch ein Brecher. Damit nicht alles wieder von vorn anfängt.



Foto von grau 2015 (Ingo Herzog und Marc Hieronimus)


..
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1998 - Festplatte

Festplatte
...

1 - Reisebilder

Schließe die Augen und schaue mir die Reisebilder an.
Sitze im Auto und baue eine Veranda an

An mein Strandhaus, mein Zelt
Steig auf die Wellenbrecher
Mein Blick schweift über Dächer
Vorbei rauscht die Welt

Freie Bahn, kein Stau
Ich stehe, die Landschaft ist schnell
Dreh' die Scheibe runter, draußen wird's hell

Wind pfeift durch den Kopf, ich bau wieder
Sitz' ich im Sand und bau mir was
Bau' mir mein Traumschloß, wie's mir ins Hirn schoß
Als ich das erste Mal den Wind, den Sand, das Meeresrauschen, das Mehr an Rausch genoß

Alles ist bunt
Im Rückspiegel läuft alles verkehrt,
Nur daß sich niemand drum schert
Schaue nach vorn und halte den Mund

Ruhig fließt mein Blut,
Alles paßt sich an an meine Temperatur
Sanft rieselt der Dünensand ins Land durch die Sanduhr

Dreh' die Kassette rum, die Musik ist zu laut, will sie leiser drehen
Spür' die Vögel am Himmel stehen
Spür' sie zusehen
Der Lärm bringt mich um

Ich schalt ihn aus, er läuft weiter
Ich bin ein Fels in einer Schallwellenbrandung, in einer Sirupwelt, in einem Ölmeer
Und der Ölfilm, er lastet schwer
Schillert, glitzert zwar heiter, doch jetzt brennt er
Zwingt die Vögel zur Landung

Jetzt bin ich ganz allein
Es raucht und raucht und rauscht
Nächstes Bild ... Negativ
Etwas hat die Farben vertauscht

Ich schwimme in blaugrüner Ohnmacht
Oder ist dies die Nacht ?

Die Zeit weiß nicht, was sie will
Mal trödelt, rennt, mal steht sie still
Eine Wolke, ein Atompilz in den Gezeiten
Scheint sich, mein' ich, auszubreiten

Ich stehe vor ihr
Schon ist sie über, neben, unter vor und hinter mir
Ich bin in ihr
Sie ist in mir

Es gibt nichts außer Dir, ich bin ganz außer mir
Ich bin nicht ganz bei mir, bin bei Dir
Bitte bleib bei mir
Bitte bleib hier

Doch ich bin
Deka-, Giga-, Mega-, Kilo-, Hekto-, Denzi-, Zenti-, Mili-, Mikro-, Nano-, Pikometer entfert von Euch
Wie's mir beliebt

Denn die Wolken brechen auf,
Die Sonne hervor

Der Wind, die Musik, das Meer
Schmeicheln dem Ohr

Kommt doch mit voraus, zurück
Wir schließen die Augen
Und schauen uns die Reisebilder an

2 - Was ich noch sagen wollte

Versuche meinen Kopf zu leeren
Von falschen Worten, die darin schwirr'n

Unmöglich zu erklären
Stolper über mein Hirn

Fass mir an die Stirn
Verirrte Windungen entwirren

Es gibt so viele Farben
Doch keine passt so recht ins Bild

Stimme voller Narben
Könnte schreien doch sie bleibt still

Ich glaub' sie weiß nicht, was sie will
Redet schnell und denkt nicht nach

Du sprichst auf mich ein, dringst in mich ein
Ich bin sprachlos, stammel bloß
Rede vor mich hin

Ich such' nach Worten, die vielleicht
Sagen könnten, was ich mein'

Hast Du sie, dann gib sie mir
Hast Du sie, dann gib sie her

Ich will, ich weiß nicht, wie ich's, weiß nur daß ich's sagen will
Vielleicht schaff ich`s morgen

Ich will, ich weiß nicht, wie ich's, weiß nur daß ich's sagen will
Vielleicht schaff ich` morgen

Oder nie
Oder nie

3 - Dein

Ich wünscht', ich könnte Liebe schreiben.
Gefühlen kunstvoll Ausdruck schenken
Fern der platten Pfade bleiben
Die Tinte an der Seele tränken

Zu leicht zu scheitern beim Bestreben
Mit Schwärmerei und faden Worten
Meine Liebe zu erleben
Drum schreibe ich von trauten Orten

Schreib vom Garten hinterm Haus
Verstecken, mich zurückzuziehen
Ich weiß, hier kenne ich mich aus
Hierhin kann ich immer fliehen

Schreib von leeren, heißen Wüsten
Von Gletschern in dem kalten Meer
Wo manche schon ihr Leben büßten
Zurückzufinden prägte sehr

Schreibe auch über die Zeit
Wie sie ändert, nie beendet
Das Land von Schnee und Eis befreit
Menschen zueinander wendet

Schreibe über die Musik
Von Harmonien, Dissonanzen
Schreibe also auch vom Krieg
Und dem sicheren Bruch der Lanzen mit der Zeit

Undenkbar, daß ich im Gedicht
Den letzten Satz Dir schuldig bliebe
Ich schreibe dies hier nur für Dich
... in Liebe

4 - Rosarot

Sechs uhr dreißig, der Wecker schrie ... schlug ihn tot und quälte mich ins Bad
Ich putzte mir die Zähne, rasierte mich, schnitt mich, duschte und trocknete mich ab

Kopf gestoßen am Schrank, was zieh' ich an, kochte Kaffee, stellte den Teller raus
Die Treppe runter, zur Haustür, die Zeitung klitschnaß verschwamm mir vor den Augen
Die Brille
Wieder hoch, auf dem Tisch ist sie nicht, aber Kippen

Seit zwanzig Minuten suche ich meine Brille

Mir brennen die Augen, die Knie gebeugt, tun mir weh
Ich hatte sie doch, auf den Tisch, auf den Schrank oder ans Bett.
Als ich schlafen ging. Wo ist sie ?

Ich glaub' ich hab' meine Brille verloren

Mir brennen die Augen, kann die Zeitung nicht lesen, weiß nicht was passiert
Schon seit fünfzig Minuten kriech' ich im Schlamm, rieche den Schlamm der steigt und steigt und steigt

Schau' an die Wand und die Wand trennt sich scharf von den Fotos ab an ihr
Alles sticht und schneidet blau/weiß

Ich traue mich gar nicht ans Fenster, doch auf der Fensterbank habe ich noch nicht nachgesehen
Wie malerisch ... ein Mann friert vor Eisblumen, draußen liegt Schnee

Zünde mir die dreiundzwanzigste Kippe an, sehe nun Feuer ist rot und Eis ist blau/weiß
Hab' meine Brille verloren

Seit zwei Tagen kriech' ich hier rum, die Knie tun mir weh
Meine Augen wollen nichts anderes mehr sehen als scharfe Konturen und kalte Farben

Ich hab's versucht, ich ging raus
Die Leute erkannten ihren Freund
Doch ich sah nur die Hassfalten um ihre Münder

Ein Monat ohne meine Brille
Die Augen haben sich gewöhnt

Lese jetzt Zeitung zwischen den Zeilen
Oder schnapp`sie mir als Klopapier

Mein Einzelstück ist fort
Das Miststück hat mich betrogen

Geh' jetzt raus und schau mir die Welt an
Ah, ich hab sie ... zerstört

5 - Nichts

Ewig dachte ich, ich tue so als wäre Nichts
Denn so bin ich ich

Ich ging in mich
Empfand Nichts

Aber fand Nichts
Was mir Angst macht

Nichts bricht hervor
Nichts wird offenbar ist Nichts wahr
Alles Nichts

Nichts umringt mich
Ich verliere mich in Nichts

Nichts hat mich nicht zu verlieren
Nichts vernichtet mich

Ich bin Nichts

6 - Es dürfte nicht sein

---

7- Abgang

Mein Entschluß: endlich Aufschluß
Auf, Schluß

Türe auf, Augen auf und durch, Türe zu
Ich stehe, nein gehe

Es gibt einen wahren Grund

Ich war im Untergrund, unter dem Boden der Tatsachen
Eh ich durchbrach, brach ich ihn auf, diesen Zustand
Brach ich auf, kotzte mich zu

Als ich aufstand, stand ich drauf,
Endlich Aufstand, dazu stehe ich

Es gibt einen wahren Grund, mein Herz
Ich schneid's auf ... mich zu

Ich schreib`s auf ... und Dir zu
Ich nehm' die Maske ab, das Licht auf und nichts mehr zu mir

Wird die Zeit knapp, könnt Ihr zusehen ... werd' ich zusehen
Ich kann aufsehen ohne Aufsehen geht die Sonne unter

Ich auf sie zu sie auf, sie hält nicht auf
Ich schon, mich hier und auf sie zu

Ich richte mich auf, ich geb`s zu
Ich gebe nicht auf, richte mich zu

Richte mich auf, richte mich zu
Richte mich auf und lauf...

8 - Verborgene Leidenschaft

Du siehst scharf aus, Du riechst gut, Du bist Jungfrau, er will Dein Blut
Du spürst seine Haut auf Deiner, wer hält ihn zurück ... keiner.

Spielst mit der Zunge, Deine Lippen sind feucht, spielst mit den Fingern, Du schreist, er keucht
Spielst mit der Zunge, Deine Lippen sind feucht, spielst mit den Fingern, Du schreist, er keucht

Er liebt Deine Arme, er liebt Deine Beine, er leckt Deine Tränen und Du seinen Schweiß
Du winselst Gnade und findest keine, er macht Dich kalt, Du machst ihn heiß

Er küsst Deine Lippen, ist in Deinem Kopf
Er bricht Dir die Knochen und nimmt Deinen Zopf

Er nahm Dich durch, löschte Dich aus
Er küsst Dich noch und geht nach Haus

9 - Lösche aus die Heiligenscheine

Die blassen Muster unserer Leben könnt Ihr sie sehen ?
Wenn die Tage kürzer und kürzer werden, wenn die Tochter des Mondlichts schläft

Ertränkte den Mut im Wahn der Vernunft und bin ausgebrannt
Ertränkte den Mut im Wahn der Vernunft und bin ausgebrannt

Wenn Lächeln wird Grimasse und eine Hand wird eine Faust
Wart' ich auf Eure Kugel, dass sie die Wand schmückt mit meinem Hirn

Ertränkte den Mut im Wahn der Vernunft und bin ausgezehrt
Ertränkte den Mut im Wahn der Vernunft und bin völlig ausgezehrt

Wasser wird zu Dunst, wird zu Wasser immer fort
Doch wir werden nichts als Dreck

Und Dreck bleibt Dreck, Dreck bleibt Dreck, Dreck bleibt Dreck

Ertränkte den Mut im Wahn der Vernunft und errette ihn erst jetzt
Da ich merke, es ist zu spät

10 - Zehn

Laß' uns treiben, Tochter des Mondlichts
Halt mich fest, bevor wir uns verlieren

Schließ die Augen, wir schmecken Salz
Du bist mein Treibholz

Ich will Dich begreifen, Lichtgestalt
Meeresleuchten im Stimmgewirr der Köpfe

Ihr Meute saht die blaue Tür geschlossen, oder warft Ihr sie zu ?
Als ich umher zog. Niemals wollte ich fort für Jahre

Gezeit ist reif
Ihr Stimmenflut fraßt meinen Verstand
Spültet Abschaum an den Strand

Puppen dümpeln an 0815tausend Klippen
Eine Totgeburt im Schoße der Glückseligkeit
Die Spinne trägt ihr Festtagskleid

Ihr spottet im Wasser aus blauen Lippen
Ebbt ab! Ebbt ab! Folgt dem Mond, der mir ein letztes Mal die Tochter sendet

Hinab! Hinab!
Auf den Grund! Euer Dienst ist hier beendet
Ich bin gestrandet

1999 - daher

daher
...

1 -

---

2 - Zeit

Wenn ich in den Spiegel schaue
Sehe ich mein Gesicht ergrauen
Wenn ich Dich anseh' bin ich geschockt
Es ist so scheußlich

Und ich kämpfe mit der Zeit
Mit der Zeit
Zeit

Wenn Zeit mir durch die Finger rinnt
Und ich's nicht versteh, mein Kind
Will daß wir gemeinsam sind
Bis eben war ich blind

Ich sehe Krieg und Hass
Die Scheiße macht mich blaß
Orientierungslos
Orientierungslos

Zeit

3 - Danke

Ihr wollt Dank ?

Danke für den Schmerz, den Hass, den Streit
Danke für die Angst, die Einsamkeit
Danke für den Futterneid
Danke für die Kindheit, den Supergau

Danke für die Hilfe, all Euer Geld
Danke für diesen guten Morgen, allein, arm und am Arsch
Danke für diesen guten Morgen
Danke für jeden neuen Tag
Danke, dass ich all meine Sorgen auf Euch werfen mag

Ich bin ja so froh, dass ich Euch hab'
Ich bin so abgrundtief glücklich

Ihr streicht bunte Wände grau
Ich riß sie ein mit dem Kopf
Ich schmeckte Blut

Krankes Hirn ist frei
Ihr bringt ihm nichts mehr bei
Ihr seht Euch schuldlos, hilflos
Seid ahnungslos und skrupellos

Alles wird gut
Wenn Ihr fort seid
Wenn Ihr tot seid
Also leckt mich
Kein Mitleid
Nein, danke!

4 - Mein Gott

Seh' ich zurück in die Kindheit
Sehe ich meinen Herrn an einem Holzkreuz in seinem kalten Schloß
Hätte man ihn ersäuft, ständ heute ein Aquarium da
Er schaut mir in die Augen und spinnt mich ein
Er sagt:

Ich seh Dich
Ich fühl Dich
Ich küss Dich
Vermisse Dich

Form mein Hirn ... versuch` doch!

Himmel ist das Bett, in dem Recht die Wahrheit fickt
Himmel ist das Bett, in dem Recht die Wahrheit fickt

Schau ich zurück in die Jugend
Seh' ich meinen Herrn in einem Feuerring und er tanzt mit mir
Er sagt:

Ich seh' Dich
Ich fühl' Dich
Ich schuf Dich
Warte auf Dich

Möchte kein Rad in einem System von Gut und Böse sein
Ich glaube immer noch an Farben, das Spiel von Dunkel und Hell
Ich denke nicht in schwarz und weiß

Drum form mein Hirn ... versuch's doch!
Himmel ist das Bett, in dem Recht die Wahrheit fickt
Himmel ist das Bett, in dem Recht die Wahrheit fickt

Schau ich zurück in eine vergessene Zeit
Sehe ich zwei Götter, die ringen um meinem Verstand
Sie sagen:

Wir seh'n Dich
Wir fühl'n Dich
Wir führ'n Dich
Verlieren Dich

Wenn ich böse bin, mache ich alle Menschen froh
Will ich gut sein, sähe ich Eifersucht und Hass und Schmerz
Alles, was ich tu artet aus ins Gegenteil

Form mein Hirn ... versuch's doch!
Form mein Hirn zum Knast eines anderen Verstands
Form mein Hirn zum Knast eines modernen Verstands

Himmel ist das Bett, in dem Recht die Wahrheit fickt
Himmel ist das Bett, in dem Recht die Wahrheit fickt

Wir seh'n Dich
Wir fühl'n Dich
Wir führ`n Dich
Verlieren Dich

5 - Spuren

Ich hab` von ihm geträumt
Ich hab' gespürt, wie es ist
Es ist:
Unfassbar, unbegreiflich und spürbar nah
Es ist makellos, ich liebe es

Ich bin ihm auf der Spur
Ich lauf' ihm hinterher ... nur
Komm' ich nicht ans Ziel
Es bedeutet mir so viel

Ich glaub' ich habe es gesehen
Ich folge seiner Spur
Verfolge seine Spur
Und folge und folge

Ich beeile mich sie nicht zu verlieren
Ich lauf' in seiner Spur

Ich hinterlasse eine Spur
Sie läuft mir hinterher
So komm' ich nicht ans Ziel
Ich warte viel zu viel

Ich stolper über meine Füße
Es sind meine Spuren, oder Deine
Also meine

Du stehst mir im Weg
Ich steh' mir im Weg

Ich bin mir auf der Spur
Ich lauf' mir hinterher
Ich komme nicht ans Ziel
Ich bedeute mir zu viel

Ich will ich sein
Ich weiß nicht wie
Ich weiß nur:
Auf diesem Weg erreich' ich mich nie

6 - TraumA.)

Endlich vor der Tür
Endlich vor der Tür
Endlich in der Tür
Endlich in der Tür
Fürchtet euch nicht
Der Schlüssel bin ich

7 - Keiner hat gefragt

Wer hat gesagt, es sei leicht, zu gehen?
Wer hat gesagt, es sei leicht, zu stehen?
Wer hat gesagt, es sei leicht, zu verstehen?

Wer hat gesagt, es sei leicht, zu reden?
Wer hat gesagt, es sei leicht, zu schreien?

Wer hat gesagt, es sei leicht, zu scheinen?
Wer hat gesagt, es sei leicht, zu sein?

8 - Hinab

Ich hab' den Schlüssel zum Himmel
Doch ich find' nicht das Tor
Ich rannte durch die Zeit
Bis ich den Mut verlor
Ich war verkauft, vergessen
Schatten im Blick
Hast dann mich mit süßen Lügen
Auf den Weg hinab geschickt

Fühl' mich wie ein Schiff aus Glas
Treibend im Meer der Stürme

Ich stieg hinab die Stufen, angsterstarrt
Es zog mich zurück, doch ich hab' ausgeharrt
Und in der größten Grotte unter dem Meer
Sang nur das Echo deinen Namen
Dabei schrie ich so sehr

Fühl' mich wie ein Schiff aus Glas
Treibend im Meer der Stürme

Ich stieg tiefer und tiefer
Bis auf den Grund
Die Formen der Angst
Spielten um meinen Mund
Ich sprach den Herrn, der das Licht gebracht
Meine Träume zu leben gab er mir die Macht

Fühl' mich wie ein Schiff aus Glas
Treibend im Meer der Stürme

9 - Nichtschwimmer

Wenn man Kind ist, sollen Milch und Honig fließen, sagt man
Es seien Brücken zu Quellen, die Helden gebären
Ihr wünschtet einen Helden doch schlugt die Brücke in Stücke
Wart ein Strudel indes, der mich aussog, mich stilles Wasser

Ich kam zur Schule. Es hieß, steter Tropfen höhlt den Stein
Alle, alle nur den heißen nicht
Bald stand mir's Wasser bis zum Hals
Ich verlor den Boden
Und ich bin Nichtschwimmer

Dann kam die Lehre
Der brave Mensch rackert und rackert sich tot
Ich wollte lange schon kein Wasser mehr trüben
Und schuftete, malochte mich krumm
Ich ließ mich treiben im Trott, driftete ab, mit nassen Füßen
Versank
Denn ich bin Nichtschwimmer

Und die Frauen
Wasser auf die Mühlen des Geists, Benzin ins Feuer
Verwässerten die Sinne, den Blick
Wenn sie fort waren
Fortgeschwommen wie Felle mit der Zeit
Wer will schon einen Nichtschwimmer

Und die Freunde nicht zu vergessen
Das Land in Sicht hat man die Pest an Bord
Was soll's
Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht
Gekotzt haben sie, als sie merkten
Ich bin Nichtschwimmer
(und ich mußte noch mehr kotzen)

Und heute sagen die Leute: Sieh mal der Spinner
Leben selbst nur ihren Sturm und Drang im Wasserglas
Dass ja nur die Schiffchen im Reinen, der Arsch auf dem Trocknen
Die Weste weiß und die Hände in Unschuld sind

Doch ich habe Durst
Doch ich habe Durst
Will euch den Kopf waschen

Doch ich schwimme nicht mit
Ich schwimme nicht mit
Ich bin Nichtschwimmer

Will über's Wasser gehen
Ich mach' Musik

10 - Tanelorn

Tanelorn als Tor zu allen Ebenen
Tanelorn das Tor zu allen Ebenen
Spring' von Ebene zu Ebene
Unzerstörbar
Und sehe immer Neues
Bin fasziniert, doch irritiert
Komm' nach Tanelorn
Und es ist friedlich, windstill, zeitlos

Weiß nicht, ob ich gehen soll
Müßte zwar hinaus
Doch wenn ich ginge
Fürchte ich, ich käm' nie mehr zurück

Im Roulette der Ebenen wär' ich Spielball
Doch hier liege ich still

11 - Menschliches Versagen

Es ist menschliches Versagen
Keine weiteren Fragen
Was soll ich euch sagen
Als
Menschliches Versagen

Ich gab mein Bestes
Vergeßt es

12 - Dahin

Daher komm' ich
Daher bin ich
Dahin
Geh' ich

13 - Brandsatz

---

14 - Ist halt so

---

15 - del *.*/s

Es gibt ein Fest
Ein Trauerfest, ein Fest
Es gibt zu trauern und zu feiern
Zu bedauern und zu schadenfreuen
Ein Ende, ein Anfang
Ein Ende der Welt
Denn jedes hat beides

Laß die Welt wie sie ist
Laß uns reden ohne Bedeutung
Es macht Sinn ohne Bedeutung
Laß uns reden ohne zu denken
Laß die Sprache wie sie ist

Ich denk' mir zum Denken
Neue Worte aus
Gebe ihnen bloß die alten Namen

Es gibt ein Fest
Zum Fest gibt's Festplatte

Es gibt Gespräch
Alles muß raus
Wir reden von euch
Wir reden von uns
Wir reden von dir
Von mir
Von nichts
Von Belang, von Bedeutung

Bin ich erst raus aus dem Netz
Schalt' ich's aus, zieh' mich um
Geh' ich los, es geht los
Seh' mich um, sehe zu

Trink' mich zu
Augen auf
Ohren auf

Es gibt ein Fest, ein Schlachtfest
Zum Fest gibt's Schlachtplatte
Hirnsuppe mit Fettleberknödeln und Zungenwurst
Den Gästen schmeckt's trotz Virus
Sie sind immun
Der Wirt gab alles und bangte schon
Doch ist genug für alle da

Es gibt ein Fest, zum Fest gibt's Festplatte
Einzig stört: Wo ist der Wirt?
Es gibt ein Fest, ihr freßt die Festplatte

16 -

---

17 - Wartesaal

Die Welt zerfällt, gerät in Bewegung
Ich hab' meinen Koffer immer dabei
Im Wartesaal ist kein Platz mehr frei
Also wart' ich

Unruhig ruscht' ich auf meinem Sitz umher
Arbeite an meinem Plan schon seit Jahren
Und werden auf dem Sprungbrett die Beine einmal schwer
Sagt mir der Plan, der Zug ist gerade abgefahren

Draußen auf den Gleisen haben sich die Züge festgefahren
Andere fahren, fahren viel zu schnell
Überall könnte ich mein Zelt aufschlagen
Doch steht überall schon ein Haus
Und habe ich doch einen Ort auserkoren
Hilft mir niemand aus dem Sitz heraus

Das Warten, das geht schon
Würde bloß noch die Zeit vergehen
Beschau' mir die Leute
Hier gehöre ich nicht hin
Die warten schon zu lange
Ich kann ihnen nicht in die Augen sehen
Deren Leben hat doch keinen Sinn

Und wird er entgleisen - ich nehme den nächsten Zug
Stehe mit meiner Habe am Gleis und friere
Da kommt er schon
Ich muss fort
Vom Warten habe auch ich einmal genug
Doch verhindert die Abfahrt der Lokführer
Er sagt: Endstation

18 - Die ertrinkenden Köpfe der Gerechtigkeit sterben alle nacheinander und ich stehe alleine in Trauer

Hinaus herein
Hinein heraus
Mein Verstand schreckt meine Augen auf
Flüster die Geschichte einer Stadt
Die vergessen in Schweigen liegt
Die Stadt meiner Träume

In Tanelorn bin ich geboren
Ich bin geboren in Tanelorn
In Tanelorn bin ich geboren
Und ich will fliegen
Versuch's und stürze ab
Bis zu dem Tag der Kapitulation

19 -

---

20 - Was spricht dagegen ?

Ich kann Menschen weinen sehen
Sie verstehen es einfach nicht
Ich kann gewisse Menschen leiden sehen
Bis mein Blick bricht

Warum soll ich nicht den Schlußstrich ziehen
Wenn die Fäulnis in den Augen brennt
Und die Tränen beizen die Freude ab
Die Erinnerung ist fortgeschwemmt
An die Zeit, als ich Kind war

Ist es falsch, den Schmerz zu begraben?
Kannst du es nicht verstehen?
Die Angst ist kalt wie Metall
Das laß ich mir durch den Kopf gehen

2000 - Auf der Suche nach Fluchtpunkten

Auf der Suche nach Fluchtpunkten
...

1 - Hr. Klett

Heute bist du zuhaus
7:28 gleich kommst du aus dem Bad
Du trägst den Bademantel Nr. 5
Den ich so liebe
Weil er ein Stück zu kurz ist
Deine Haare, noch nass und ungemacht
Erinnern mich an dein Film-Debut
"Mit dem Sommer kam die Liebe"

8:32 du hast dich angezogen
Trägst ein neues Kleid
Du ißt das gleiche Brot wie ich
Und nimmst zum Kaffee 3 Stück Zucker
Genau wie ich
Du bist für mich bestimmt
Seit Stunden lernst du deinen Text
Fast kann ich deine Stimme hören
Wie du deine Rolle übst

Sind wir erst wir
Sollst du nur du sein
Dann mußt du nicht mehr arbeiten
Ich werde ALLES für dich tun

13:12 wen rufst du an?
Irgendwann um 2 trainierst du deinen Körper
14:03 dein Laufband steht still
Warum putzt du jetzt die Wohnung?
Du rückst die Möbel zurecht und räumst die Stofftiersammlung weg

16:45 du hast eingekauft
Essen für 2
Das wäre doch nicht nötig gewesen
Ich sorge für uns

Um kurz nach 8 fährt ein Sportwagen vor
Ein junger Mann mit einem Blumenstrauß tritt in die Einfahrt
Eine Frau kommt aus dem Haus
"In meinem Lieblingskleid siehst du fantastisch aus"

20:17 gegenüber steigt ein Mann aus seinem Auto
WARUM TUST DU MIR DAS AN?!!

2 - Fr. Fames

Alles fällt Frau Fames schwer
Der Hunger quält sie so sehr
Frau Fames vermißt ihren Mann
Bei Torte, Eiscreme, Wasser und Brot
Weil sie nicht anders kann
Schlägt sie die Zeit tot
Die sie mit ihm verbracht hat
Die immer noch Macht hat
Über sie

Und immer schauen die Leute
Weil sie wie immer nicht atmen kann
Denn wie immer liebt auch heute
Ihr Gatte einen anderen Mann

3 - Zimmer 454

Auf Zimmer 454 liegt ein älterer Mann
Sich den Rücken wund
Liegt da und stiert

An die immergleiche Wand
Aus dem halb geöffneten Mund
Dringt seit Wochen schon kein Wort mehr

Er hat genug gesehen
Und müsste er nicht schweigen
Er hätte keine Fragen

Die Pfleger können ihn nicht verstehen
Die sich über seinen Körper neigen
Eines würde er gern noch sagen

Den Pflegern ist er ein Möbelstück
Dieses ewige Liegen
Elektrolyt zum Abendbrot

Sein einziges Glück
Er beobachtet die Fliegen
Die frei sind und morgen tot

4 - DIN A6 120g holzfrei

Die ersten Karten betrafen noch seine Frau
Sie dachte für ihn
Sie erinnerte ihn
An ein gemeinsames Leben
Seither schreibt er seinen Kopft leer
Kartographiert sein Gehirn

SDS/11/Lb-1
Mitte August 12tes Jahr
Kirschen jetzt reif und süß
Neue Nachbarn haben Tochter
Beginn Gruppe Lb
- Kein Verweis auf weitere Karten -

Endlich ein geordnetes Leben
Heute ist er fertig
Die letzte Karte
Trägt seinen Namen

5 - Hr. Mezler

Der Vorgarten wie immer gepflegt
Ein Windspiel steckt bei der Eingangstür
In einem Topf mit Margaritenstrauch
Im Flur liegt neben Schuhen ein Fußball
In der Küche hängen Kinderbilder
Auf dem Tisch liegt zwischen fünf benutzten Tellern
Und einer Bratenform eine Geflügelschere
Im Wohnzimmer stehen zwei halb gefüllte Rotweingläser
Auf dem Kaminsims neben dem Hochzeitsfoto
Der Aschenbecher für Gäste
Auf dem Schlafzimmerboden liegt ein Büschel Haare
Im Kinderzimmer liegen Daunen in den noch warmen Betten
Oder kleben im Blut auf dem Boden
Eine Schleifspur führt über die Treppe zum Keller
Wo der Vater vor der Tiefkühltruhe
Seine Frau und die drei Kinder
In handliche Teile zersägt

6 - Tapetenwechsel

Lange schon will er fort
Und kniet vor seinem Koffer
Im Rücken das Bett
Aber was nimmt man mit?
Was hindert nur?
Wäsche kauft er sich dort
Neue Kleidung muß her
Obwohl
Der Mantel muß mit fort
Der macht den Koffer nicht schwer
Und eigentlich trennt man sich nur ungern
Von den bequemen Schuhen
Kleidung ist zu schwer
Aber mit irgendwas fängt man halt an
Was ist mit den Planzen?
Etwas Leben muß mit
Nur das Efeu klebt an den Wänden
Und verträgt keinen Schnitt
Die Zeitung der letzten Tage und Jahre
Und die Bücher
Die den Nachttisch und die Bücherwände füllen
Die Bilder der alten Freunde
Die Bilder der alten Meister
Die meisten vertragen den Rahmenwechsel nicht
Sie verlangen dieselbe Tapete
Dasselbe Licht

7 - Am Strand sollen jetzt Häuser stehen

Herr Wegmann war lange fort
Um heimzukehren als Arzt
Als Fertiger
Hat damals, als er ging schon
Seinen Auftritt geprobt
Sitzt nun im Zug
Und fragt sich
Welcher Freund wie geworden
Wer geblieben und wer gestorben ist
Ob der Markplatz noch so ruhig ist, sonntags
Am Strand sollen jetzt Häuser stehen
Fragt sich
Wie Marianne jetzt wohl aussieht
Kommt an und fährt zurück

8 - Fr. Meier Kasse 4

Niemand sieht die Schönheit vor dem Spiegel
Wie jedes Jahr um diese Zeit
Trägt sie ihr Lieblingskleid, den Schmuck
Wie immer glänzen alle Zimmer
In ihrer Festung hat sie sich
Ein Fest zurechtgelogen
Die Freundinnen, die Gäste lediglich
Sind vor langer Zeit schon fortgezogen

Jeder registriert, niemand kapiert
Die Frau im Kittel an der Kasse
Die resigniert, kapituliert
Vor der Menschenmasse

9 - Tanja

Wo ist was los?
Nehmt ihr mich mit?
Wo gehen wir hin?
Wie lange bleiben wir?
Habt ihr was dabei?
Das will ich mal probieren!
Was machen wir morgen?
Habt ihr was übrig für mich?

10 - Hr. Funke

Den letzten Knall noch im Ohr
Die Trümmer im Blick
Weiß er, die Entscheidung steht bevor
Langsam sind sie gewarnt
In ihren unterirdischen Menschenfabriken
Diesmal glaubt er sich enttarnt
Eines Tages werden sie verstehen
Einer mußte es tun
Ich werde nicht ruhen
Bevor sie es alle sehen

Der große Plan steht lange schon
Alle müssen dran glauben
Handelswege und Kommunikation
Die eingeschleusten Bekannten
Spione des Systems
Stromkästen und Hydranten
Bald werden sie verstehen
Einer mußte es tun
Ich werde nicht ruhen
Bevor sie es alle sehen

Er kann niemandem trauen
Auch die Regierung ist gekauft
Das ganze System wird noch schauen

2003 - Blei

Blei
...

1 - Vakuum

---

2 - Kupfer

---

3 - PVC

Ich bin Dir egal
Wie Polyvinylchlorid
Du formst aus mir, was Dir gefällt
Oder trampelst auf mir rum

Doch bedenke:
Ich bin zäh und giftig
Ich kann Fäden ziehen
Und wirfst Du mich auch fort
Niemals wirst Du mich mehr los

4 - Titan

---

5 - Schwefel

---

6 - Brom

Stumpfer Blick klebt am Vordermann
Irgendwer schreit
Ziehen wir schon wieder voran
Oder halten wir uns bereit ?

Ein Foto zeigt uns oder Andere
In schwarz/weiß, nett anzusehen
Ich glaube, daß ich wandere
Und bin sicher, daß wir stehen

Tagelange Nacht durchwacht
Die Gefühle liegen in Strähnen
Gerade haben wir gelacht
Oder woher kommen die Tränen ?

7 - Neon

---

8 - Quecksilber

Eiszeit
Wölfe heulen
Das Atmen fällt mir schwer
Denn die Quecksilbersäulen
Tragen die Schlösser nicht mehr

9 - Ozon

---

10 - TNT

20, 19
Hast mich nicht eingeplant
18, 17
Ich komme ungeahnt
16, 15
Hab' zur Silvesternacht
14, 13
Auch etwas mitgebracht

12, 11
's ist so hübsch eingepackt
10, 9
Du kannst nicht widerstehen
8, 7
Wir spüren im Sekundentakt
6, 5
Das letzte Jahr vergehen

4
Für mich ist hier Ende
3
Ich muß nach Haus
2
Drück' zum Abschied ein paar Hände
1
Und bin raus

Feuer frei
Feuer frei
20, 19, 18, 17, 16, 15, 14, 13, 12, 11, 10 , 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1
Feuer frei
Feuer frei

11 - Zinn

---

12 - Blei

Zeit geeicht mit dem Bleilot
Schleicht durch das Land der Wanzen
Gelassen, gewichtig, groß

Ein Reigen der Heiterkeit, mein Kleinod
Reich mir die Hand, wir tanzen
Und lassen uns nicht mehr los

Wir schweigen eilig die Zeit tot
Weichen gewand ihren Lanzen
Und fassen ihr nicht in den Schoß

Wir geigen die Farblosigkeit rot
Leicht sind am Strand die Romanzen
Fassen ins Licht, träumen traumlos

Feige bestreiten wir bleichrot
Dieses Land ohne Wand zum verschanzen
Hassen es nicht, fürchten's bloß

Wir schweigen aus Eitelkeit und Zeitnot
Die Leichen verbrannt pflanzen wir
Blasse Lichter in das Moos

Wir steigen verzweifelt ins Beiboot
Kreischen und stampfen und tanzen
Unter den Massen bricht das Floß

Geigen begleiten meinen Freitod
Mir weicht der Verstand im Ganzen
Laß ihn ... nimm mich, Licht ... bin bloß

13 - Phosphor

---

14 - Sauerstoff

Wie lang rostete mein Leben stickig vor sich hin ?
Doch dann brachtest Du mir frische Luft und in den Sinn
Daß man ohne Sauerstoff nicht atmen kann

Du ... und glaubst Du auch nicht dran
Du ... glaub mir, Du stiftest Feuer an
Du ... Funke, Blitz und Flächenbrand

Ich rede mir im Nachhinein die Jahre klein
War ja auch ganz bequem
Aber immer schon wollte ich jemand anders sein
Ich hatte nur das Problem: mit wem ?

Mit Dir habe ich keine Angst vor Kettenreaktionen
1, 2, 3, 4 ... Du bringst mich, ich Dich zur Explosion
Denn wir ... Du und ich, was kann die Welt uns schon ?

15 - Diamant

---

16 - Helium

---

17 - Platin

Ferne ... seltene
Königin ... Du Edelmetall

Weiß und hart
Und stoßfest und beständig

Trag Gold und Perlen für mich
Und ich trag Dich wohin immer Du willst

Wenn Du willst

18 - Wachs

Du schmolzest dahin
Je mehr wir uns um Beständigkeit bemüht

Eine spätere Zeit im Sinn
Bist Du lange vor der Zeit verglüht

Ich fühle mich betrogen
Irgendwer oder -was hat uns belogen

Weißt Du noch, wir haben an das Licht geglaubt
Feuer hat mich Deiner und meines Glaubens beraubt

19 - Gold

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2007 - Tod und so

Tod und so
...

1 - Einen Tag lang

Morgens vor dem Aufstehen
Bei den Nachrichten im Fernsehen
Unter Menschen in der U-Bahn
Ob sie heim oder zur Arbeit fahren

Immer wenn ich rauche
Oder in meinen Sümpfen tauche
Immer wenn’s um Mut geht
Und kaum, daß es mir gut geht

Einen Tag nicht bedroht sein
Einen Tag alle Ängste abgestellt
Einen Tag lang tot sein
Einen Tag lang nicht auf dieser Welt

Wenn ich alte Leute sehe
Wenn ich vor dem Spiegel stehe
Auf allen Familienfesten
Wenn sie meine Kräfte testen

Immer unter Frauen
Wie immer, wenn mich zwei Augen anschauen
Im Grunde überall und jederzeit
Macht sich die Scheißangst breit

Einen Tag nicht bedroht sein
Einen Tag alle Ängste abgestellt
Einen Tag lang tot sein
Einen Tag lang nicht auf dieser Welt

2- Irgendwas ist immer

Es könnte so schön sein
Wir könnten verwöhnt sein
Alles ist gesagt
Der Rest ist Schweigen
Im Film kämen jetzt Abspann und Geigen
Weil Filme immer dann aufhören
Wenn’s alltäglich wird
Weil Filme immer dann aufhören
Wenn’s unsäglich wird
Und alles Ungeklärte
Wird es bleiben
Gärt und gebiert vor sich hin
Es zieht mich hinein
Ich lasse mich treiben
Weil ich kein Filmheld bin

Denn irgendwas ist immer
Und immer halte ich still
Denn alles wird nur noch schlimmer
Wenn man sich wehren will

Wir richten uns nicht
Wir richten uns ein
Lieber Knecht einer Zelle
Als Herr einer Wüste sein
Das ist stärker als wir
Süß und giftig
Wie die Fliegen bleiben wir daran kleben
Wenn der Tod vor der Erkenntnis kommt
Gibt es doch - vielleicht -
Im falschen ein richtiges Leben
Und wir leben, wir machen das beste draus
Denn aus diesem, keinem andern
Trägt man uns mal mit den Füßen zuerst hinaus
Wir lachen auf Vorrat
Wir lassen’s uns gutgehen
Die Zeit wird schnell genug vergehen

Denn irgendwas ist immer
Und immer halten wir still
Denn alles wird nur noch schlimmer
Wenn man sich wehren will

Denn irgendwas ist immer
Und alles wird nur noch schlimmer
Und immer halten wir still
Wenn alles sich wehren will

3 - Zehn Jahre

10 Jahre vorbei.........................Gut, aber ich war frei
10 Jahre verpaßt........................Aber was habe ich gepraßt
10 Jahre allein.........................Will man doch stets verfügbar sein
10 Jahre auf die Uhr gesehen............Ob andere nicht anders gehen
10 Jahre ausgesessen....................Gefressen, geschissen, vergessen
10 Jahre rumgehangen....................In 2 Zimmer KDB gefangen
10 Jahre geträumt.......................Nicht einmal aufgebäumt
10 Jahre studiert.......................Nichts kapiert, nichts produziert
10 Jahre gelesen........................Und kaum vor der Tür gewesen

10 Jahre rum, immer noch dumm...........10 Jahre weg, knietief im Dreck
10 Jahre verflossen.....................Wie in Blei, wie in Quecksilber gegossen
10 Jahre verweht........................Erzähl mir keiner, wie die Zeit vergeht
10 Jahre ohne Glück.....................Und keiner holt sie mir zurück
10 Jahre das............................Also was? 10 weitere Jahre Haß

4 - Das Paradies auf Erden

Manchmal bin ich erstaunt
Wie kalt und still das Paradies sein kann
Wenn du schweigst, hör ich Eisblumen wehen
Was tun sich manche Leute
Für ein kleines bißchen Glück nur an
Darf denn niemand raus, mal durchatmen gehen?

Was ist schon ein Tag
Was ist noch ein Jahr
Lebt man wie wir in Glückseligkeit
Lebt man wie wir für die Ewigkeit

Ich bin nur manchmal erstaunt
Wie kalt und still das Paradies sein kann
Wenn du schweigst, hör ich Eisblumen wehen
Was tun sich manche Leute
Für ein kleines bißchen Glück nur an
Darf denn niemand raus, mal durchatmen gehen?

5 - Immerhin gut, wenn man Freunde hat

Ach hallo! Ich bin heut’ keine gute Begleitung
Ich hab’ schon wieder nachgedacht
Normal les ich schon gar nicht mehr die Zeitung
Weil mich alles doch nur sprachlos macht

Okay, ich komm’ noch’n bißchen mit
Hier ‘rumhängen hat ja auch keinen Sinn
Es muß weitergehen Schritt für Schritt
Wenn auch keiner mehr weiß wohin

Immerhin gut wenn man Freunde hat
Immerhin gut wenn irgendwer spricht
Ich schließ’ die Augen und guck’ was der Abend noch zu bieten hat
Wie ich mich kenne ist das allzuviel nicht

Soso, X ist jetzt in Amerika
Ach und Y hat wieder ‘ne Neue
Du wirst verrückt, der und der ist jetzt im Job so ‘ne Art Superstar
Ihr glaubt gar nicht, wie ich mich darüber freue

Aber ihr seid noch die Alten, keine Schmerzen
11 Monate schuften, einen Skifahren oder Tauchen
Oder habt auch ihr was auf dem Herzen
Jetzt tut mir’n Gefallen und fangt wieder an zu rauchen

Also ich hab’ versucht, wieder als Normalo durchzugehen
Hab’ paar Bücher verkauft, die Glotze verbreitert
Erst in letzter Zeit war ich fast so weit wieder was positiv zu sehen
Aber heute bin ich definitiv gescheitert

Immerhin gut wenn man Freunde hat
Immerhin gut wenn irgendwer spricht
Denn manchmal hat man sich so was von selber satt
Denn manchmal da packt man es nicht

Denn es gibt da so’n paar Sachen
Da werde ich nicht mit froh
Das sind, um es kurz zu machen
Ich, Gott und die Welt und Tod und so

6 - Früher

Früher waren die Freunde gut
Und zahlreich und verläßlich
Früher war die Welt manchmal
Einen ganzen Tag lang nicht häßlich

In meinem grauen Leben
Hat es das zwar nie gegeben
Daß ich von irgendwas genug krieg
Daß mir irgendetwas zufliegt

Aber früher gab es etwas
Das nannten sie Vertrauen
Ich glaubte wenn sie sagten
Das kann man mir nicht klauen

Und daß mir irgendwann was wie Kunst gelingt
Das nicht bloß nach Verzweiflung klingt
Und daß irgendwer sich drum schert
Ob man singt oder die Straße kehrt

Früher oder später
Komme jeder an sein Ziel
Besser man steckt es niedrig
Dann bedeutet es nicht viel

Früher dachte ich früher
War alles im Lot
Heute lebe ich heute
Denn morgen bin ich tot

Irgendwann denk ich irgendwann
Tut mir es noch mal leid
Doch bis morgen bleibt mir heute
Und damit noch ein kleines bißchen Zeit

7 - Der Tod ist nah

Der Tod ist nah
Die Einschläge
Sind schwer
Und immer mehr
Familiär
Träge nur zieh ich
In den Luftschutzkeller
Flieh ich in den Schlaf
In meine Lieder
Keine Spur schneller
Paf schon wieder
Habe ich nichts mitbekommen
Noch
Doch wird er wiederkommen

Der Tod ist nah
Der Tod ist nah
Fast da
Und sonderbar
Die Alten werden jünger
Kranke machen Mut
Auf den Stationen
Reichen ihm kleine Finger
Lachen bis aufs Blut
Noch halten sie ihn leidlich
Bei sich weidlich
Doch schon weitet er die Zonen
Und vermeid ich
Jedenfalls so weit ich
Kann auch die Visionen
Antizipationen
Wird er doch auch zu mir kommen
Ein paar hat er schon genommen
Die gleich um die Ecke wohnen

Der Tod ist nah
Der Tod ist nah
Grausam und peinlich
Oft schon war er da
Wenn ich dicht
Dichter
Nichts
Oder Lichter war
Wahrscheinlich
Ist er immer da
Heimlich
Ich kann ihm nichts geben
Doch
Ich hoffe
Hab gehofft
Wir werden einig
Ich denk an ihn
Das ganze Jahr
Für Jahr
Für Jahr
Er läßt mich
Leben

8 - Zu viel

Viel zu wahr, viel zu gern
Viel zu nah, schon von fern
Viel zu eng, viel zu Engel
Fiel zu Boden, viel zu hart
Viel zu hoch
Fiel zu tief, viel zu fallen
Viel zu viele Fallen
Immer zu gefallen

Viel zu klagen, viel zu schweigen
Nichts zu sagen, viel zu eigen
Um zu schweigen
Zu verhalten
Um sich anders zu verhalten

Viel zu taub, viel zu sauber
Aller Zauber zu Staub
In den Augen aus dem Sinn
Dahin und unvergessen
Noch lebendig begraben
Ein Fressen für die Raben
Für die Alten, Bekannten
Ausgebrannten
Für die Neider
Die leider
Immer recht behalten

Ich glaube, ich wollte glauben
Aber es sollte nicht
Aber es sollte so
Du weißt, es heißt
Ich wollte so
Oder ich wußte
Dass es so kommen mußte

Viel zu lang, viel zu dumm, zu bleiben
Viel zu bang zu reden
Viel zu stumm, also schreiben
Schreibe jeden Satz gleich wieder um
Viel zu lang, viel zu dumm, viel zu klagen
Dabei habe ich endlich was zu sagen

Die Zeit der Zauberei ist für uns zwei vorbei
Ohne Geschrei und Schuldaufrechnerei
Nur vorbei, wir zwei, entzwei
Nur vorbei, vorbei wir zwei, entzwei
Und frei

9 - Vielleicht wird alles gut

Vielleicht wird alles gut
Vielleicht wird alles gut

Zum Beispiel hab’ ich mich gewaschen
Und mal wieder was gegessen
Und nach nicht mal dreizehn Flaschen
Meinen Selbstmord glatt vergessen

Zum Beispiel schien die Sonne neulich
Eine Elster sah mich an
Selbst der Stuhlgang war erfreulich
Man hält sich fest, woran man kann

Vielleicht wird alles gut
Vielleicht wird alles gut

Neulich war ich sogar draußen
Komm’ nicht oft aus meiner Haut
Gut, der Blick auf mich von außen
Hat’s ein bißchen was versaut

So blaß und krank und bieder
Sollten eigentlich die anderen sein
Man kennt sich nicht mehr wieder
Ist man erst lang genug allein

Vielleicht wird alles gut
Vielleicht wird alles gut

Denn neulich sprach ein Kerl mich an
Ob er mir vielleicht helfen kann
Es gäb’ da einen Bibelkreis
Wo Gott doch immer Hilfe weiß

Und neulich sprach ein Kerl mich an
Ob er mir was verkaufen kann
Er habe da so eine Pille
Die mir jeden Wunsch erfülle

Und neulich sprach ein Kerl mich an
Wenn du willst laß ich dich mal ran
Du weißt noch nicht, wie geil das ist
Wenn du mal ganz du selber bist

Und neulich sprach ein Kerl mich an
Er wisse noch nicht ganz recht wann
Doch sprechen alle Zeichen dafür
Das Ende, das Ende steht vor der Tür

Vielleicht wird alles gut
Vielleicht mach ich mir noch mal Mut
Morgen ist auch noch ein Tag
Das gilt, egal wann ich es sag
Vielleicht geht es mir bald besser
Sagt die Schlachtsau zum Schlachtermesser

10 - kleine Schritte

Wie oft hab ich mich fast geschlagen
Wie oft war ich fast ein Held
Wie oft konnte ich fast sagen
Ich kenne irgendwas von der Welt

Und wenn mir mal was gelänge
Ich mein', die Hoffnung stirbt zuletzt
Mit Gejammer und Gequengel
Hat noch keiner Berge versetzt

Ich mach kleine Schritte
Ich nehm mir nichts raus
Bleibt man nur schön in der Mitte
Sieht jeder Abgrund kleiner aus

Kein Aufbegehren
Kein raus an die Front
Statt einsam Ruhm und Ehren
Menschengrau bis zum Horizont

11 - Ich habe geglaubt

Ich hab an rechts geglaubt
Ich hab an links geglaubt
Hab an die Grünen geglaubt
An meinem Motorrad geschraubt

Hab an Geschichte geglaubt
Hab an Gedichte geglaubt
Hab an Musik geglaubt
Bin fast drüber ertaubt

Und daß das nie zu Ende geht
Immer und immer und immer
Und daß die Welt sich weiterdreht
Immer und immer und immer

An die Menschen an das Tier
Wissenschaft, Askese, Bier
Und andere Drogen, Götter, Gott
Und Atheismus, das Schafott
Und Pazifismus, den totalen Krieg
Sieg, Defätismus
Alchimie und Pharmaindustrie
Und die Bohême und den Snobismus
Liebe, Haß, Geld, Kunst, Dilettantismus
An die Welt
Und daß
Ich weiß nicht was
All das zusammenhält
Hab ich geglaubt

Doch Du
Du Du immerzu
Ich und Du
Doch vor allem Du
Nur Du

Ich hab an uns geglaubt
Ich habe geglaubt
Das hast Du mir geraubt

Seither will ich schrei'n
Alles ist nur Schein
Nichts wird mehr wie vorher sein
Seit ich weiß, wir sind allein
Seit ich weiß, ich bin allein

Und daß das nie zu Ende geht
Immer und immer und immer
Und daß die Welt sich weiterdreht
Immer und immer und immer

12 - Noch sind wir zu zweit

Wir haben gelacht
Es hat gekracht
Wir haben uns erst nichts aus uns gemacht
Wir haben geweint
Und uns verneint
Lange Zeit irgendwas, irgendwen und irgendwie alles anders gemeint
Wir haben geschwärmt
Wir haben gelärmt
Einander vertraut
Miteinander rumgesaut
Wir haben gescherzt
Uns geherzt
Kaum verschmerzt
Wir konnten uns erst nicht küssen
Und dann nicht mehr missen
Wir fühlten uns beschissen
Haben uns zerrissen
Kopf und Kissen zerwühlt
Und mit Alkohol und Tränen gespült
Wir sogen aneinander rum
Und waren stolz und geil und dumm
Wir waren unzerstörbar
Jeder Einwand uns unhörbar

Besser nicht reden
Besser nicht schweigen
Besser nicht jeden Zweifel zeigen
Denn noch sind wir zu zweit
Ewig, nicht zu spalten
Bleibt uns noch ein wenig Zeit
Aneinander festzuhalten

Wir haben Kosenamen erfunden
Floh, Maus, anderes Geschmeiß
Wir haben uns geschunden
Wie nur du und ich weiß
Wir haben Orte
Die wir meiden
Haben Worte
Uns zu verkleiden
Wir haben viel gestritten
Das hohe Roß kaputtgeritten
Ganz klein gaben wir bei
Die Freiheit war dann doch ein bißchen zu frei
Wir haben uns immer versöhnt
Nichts beschönt
Einander verwöhnt
Ein bißchen gestöhnt
Wir haben getobt
Wir haben fantasiert
Uns für jeden Furz gelobt
Und jeden Winkel inspiziert

Und dann irgendwann
Wenn man es gar nicht brauchen kann
Fängt man wieder zu denken an

Doch noch sind wir zu zweit
Ewig, nicht zu spalten
Bleibt uns noch ein wenig Zeit
Unsere Träume zu verwalten

13 - Glück im Unglück

Wie soll das nur weitergehen
Wer weiß wohin das führt
Irgendwann kommt die Strafe
Die jedem von uns gebührt

Ich habe Angst, ich fürchte
Mich und das Ende der Welt
Das Ende meiner Träume
Das habe ich nicht bestellt

Am Ende ist jeder allein
Am Ende wäre jeder froh
Irgendwer, irgendwo
Anders zu sein

Wer weiß schon noch wie gut er’s hat
Wer weiß schon noch was zählt
Wer ist denn zufrieden
Wenn ihn nichts und niemand quält?

Ich kenne keinen Hunger
Ich kenne keinen Krieg
Aber ich hab’ da dieses Unwohlsein
Wenn ich zu lange auf dem Rücken lieg

Ich bin nicht krank, nicht schwächlich
Nicht lahm, taub oder blind
Aber ist es nicht ein Elend
Daß wir alle sterblich sind?

Am Ende ist jeder allein
Am Ende wäre jeder froh
Irgendwer, irgendwo
Anders zu sein

Wer weiß schon noch wie gut er’s hat
Wer weiß schon noch was zählt
Wer ist denn zufrieden
Wenn ihn nichts und niemand quält?

14 - In der Zwischenzeit

In der Zwischenzeit mach ich uns was klar
Zur Erinnerung wie es früher nie war
In der Zwischenzeit schreib ich schnell mal um den Block
2 Romane, 10 Gedichte, vielleicht hab ich auch Bock
Es in der Zwischenzeit mal ruhig angehen zu lassen
Mir weniger an den Kopf, mehr ans Herz zu fassen
In der Zwischenzeit kann ich mal verschnaufen
Mich an Selbstmitleid und Stolz besaufen

In der Zwischenzeit werden wir auf andere schielen
Katz und Maus, Jekyll-Hyde, Pech und Schwefel spielen
In der Zwischenzeit kann ich für nichts garantieren
Ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren
In der Zwischenzeit brauchen wir Brücken
Geld, Bier, Geduld und einen starken Rücken
Fressen Kreide, Nägel, Lehrgeld
Was der Wortschatz für die Wartepest herhält

Wir halten uns bereit
Mit der Zeit ist das keine Kleinigkeit
Zum Glück sind wir gefeit
Zur Not bleibt uns die Ewigkeit

In der Zwischenzeit ist kein Wort zu abgegriffen
Sich wie als sein Schöpfer daran zu bekiffen
In der Zwischenzeit werden wir uns Briefe schicken
Und wenn wir uns sehen, uns die Seele raus feiern
In der Zwischenzeit bin ich irgendwann bereit
Für die nächste Versöhnung, den nächsten Streit
In der Zwischenzeit kommt alles auf einmal
Denn wo der Teufel einmal scheißt, da scheißt er auch zweimal
In der Zwischenzeit werden wir Teufel austreiben
Zu Schutzengeln beten und ungläubig bleiben

In der Zwischenzeit zählen wir unsere Kröten
Ob wir sie sparen oder züchten oder schlucken oder töten
In der Zwischenzeit werde ich Geld verdienen
Mich an einen Job und ein Einkommen schienen
In der Zwischenzeit werde ich Karriere machen
Na gut, war ein Scherz, komm laß uns mal lachen
Oder wenigstens Anstalten machen
Ein Tischfeuerwerk entfachen
In der Zwischenzeit gibt es genug zu fluchen
Und wenn wir nach Zwischen-Zwischenlösungen suchen

Wir halten uns bereit
Mit der Zeit ist das keine Kleinigkeit
Zum Glück sind wir gefeit
Zur Not bleibt uns die Ewigkeit

Kein Weg ist zu lang, einen Umweg zu finden
Keine Hoffnung zu schwach, schon am Funken zu erblinden
In der Zwischenzeit werden wir uns kennenlernen
Auf kleiner Flamme verbrennen lernen
An die Zwischenzeit werden wir uns erinnern
Als Affentheater zweier nervöser Spinner
Als die beste Zeit die man vertun kann
Als Verlegenheit wie wenn man nicht ruhen kann
Zwischen Nesseln, Stühlen und Wespennestern
Denkt man an alles, nur nicht an morgen oder gestern

In der Zwischenzeit heilen alle Wunden
Vielleicht nach Jahrzehnten, vielleicht nach ein paar Stunden
In der Zwischenzeit zwischen Wiege und Bahre
Kommen sicher noch ein paar bessere Jahre
Als die letzten 10 und die nächsten 10
Und wenn die vorbei sind, dann werden wir mal sehen
Wie das weitergeht, ob die nächste Zeit
Noch immer nach einer Auszeit schreit

In der Zwischenzeit werden wir Ratgeber fressen
Und auf Seite 3 schon den Titel vergessen
In der Zwischenzeit werden wir Hilfe suchen
Eine Reise, ein Essen, ein Begräbnis buchen
Werden sehen, wie man zu zweit einen Umzug anfaßt
Schließ die Augen, und du siehst, wie viele Freunde du hast
In der Zwischenzeit werden wir härter
Schulen um auf Wartesaalwärter
In der Zwischenzeit wird der Atem nicht schal
In der Zwischenzeit hat man nicht immer die Wahl
Zwischen Scylla und Charybdis
Zwischen Eid, Schwur und Gelöbnis
Daß sich alles mal zum Guten wendet
Weil mit dem Leben nun mal auch die Hoffnung endet

Wir halten uns bereit
Mit der Zeit ist das keine Kleinigkeit
Zum Glück sind wir gefeit
Zur Not bleibt uns die Ewigkeit
Darum bitte, hab Geduld
Keiner von uns ist Schuld
Zwischen heute und der Ewigkeit
Bleiben uns noch Jahre
Zwischenzeit

15 - Ich kann nicht mehr

Ich kann nicht mehr

Das ging eine Zeit
Die ich nicht mehr hab’
Oh, das geht eine Ewigkeit
Das geht bis ins Grab

Denn am Anfang ist es anders
So lang du nicht weißt
So weit du auch wanderst
Es wird nur ein Kreis

Am Anfang parierst du
Es geht dir ja blendend
Schon am Anfang kaschierst du
Was dich daran befremdet

Ich kann nicht mehr
Weiß nicht mal, seit wann nicht mehr
Ich kann nicht mehr
Das ging eine Zeit, aber dann nicht mehr

Denn irgendwann ist Schluß
Ist Ende, Sense, Schicht im Schacht
Du tust es, weil du es tun mußt
Und weil es sonst ein anderer macht

Ich habe mich gewunden
Wer gesteht gern Fehler ein
Wer läuft hundert Runden
Und packt kurz vorm Ziel die Schuhe ein

Wer gibt sich geschlagen
Wer hat den Mut
Am Boden zu sagen
Vielleicht wird alles gut

Ich kann nicht mehr
Weiß nicht mal, seit wann nicht mehr
Ich kann nicht mehr
Das ging eine Zeit, aber dann nicht mehr
Ich bleibe einfach stehen
Und will das Gras am Wegrand sehen

16 - Genug ist nie genug

---

17 - Genial

Warum ruft denn keiner an
Und nimmt mein Schicksal in die Hand
In meinem Horoskop steht auch
Hören Sie auf
Hören Sie auf Ihren Bauch
Große Zeiten erwarten Sie
Gut, das ist Quatsch, aber man weiß ja nie

Wär' genial wenn ich genial wär'
Wäre geil denn ich bin geil
Wär' verflucht wenn ich verflucht noch mal
Bis zum Ende nur ich selber wär'

Es hapert ja nicht am Willen
Nein ich will ich will ich will es so sehr
Den Kopf in den Wolken und Wolken im Kopf
Ist Kunst doch wohl nicht so schwer
Ich hab die Meßlatte erst mal auf Limbomaß gehängt
Und trotzdem tanze ich munter drunter her

Wär' genial wenn ich genial wär'
Wäre geil denn ich bin geil
Wär' verflucht wenn ich verflucht noch mal
Bis zum Ende nur ich selber wär'

18 - Sag mir

Wir haben uns viel versprochen
Und die Hälfte gleich gebrochen
Das haben wir uns nie gesagt
Das haben wir nie hinterfragt
Aber irgendwann kommt die Zeit
Da der Widerspruch zum Himmel schreit
Da man irgendwie ahnt
Daß nichts läuft wie geplant

Sag mir, daß wir immer noch dieselben sind
Sag mir, daß nicht die Hoffnung, nur die Zeit verrinnt
Sag mir, warum sagst du nicht, wohin die Reise geht
Sag mir, ob und wenn wieviel von unserer Welt noch steht

Ich will ja noch dran glauben
Ich will ja gar nicht zynisch sein
Warum sich die Träume rauben
Wie wir uns von der Angst befreien
Der Angst, hier zu versauern
Der Angst, hier wegzuziehen
Der Angst, es könnte dauern
Bis wir bleiben oder fliehen

Sag mir, daß wir immer noch dieselben sind
Sag mir, daß nicht die Hoffnung, nur die Zeit verrinnt
Sag mir, warum sagst du nicht, wohin die Reise geht
Sag mir, ob und wenn wieviel von unserer Welt noch steht

19 - Laß uns lieb sein

Laß uns friedlich sein
Ein kleines bißchen niedlich sein
Laß uns mal verschnaufen
Laß die Sachen einfach mal laufen
Die Zügel lang, laß dich mal gehen
Nicht immer schnell schnell, bleib auch mal stehen
Sich dich mal um
Was du hast, wer du bist
Ob nicht mal Zeit für Auszeit ist

Laß uns friedlich sein
Und durchaus auch was niedlich sein
Kein Grund, die Verschmusten zu hassen
Man kann sie ja auch einfach lassen
Und keiner wird über uns lachen
Und wenn, werden wir uns nichts draus machen
Verliebte sind manchmal neben sich
Nein, das war wieder nichts gegen dich
Das war nur so Gelaber
Ich wußte, es gibt ein Aber

Laß uns lieb sein
Nochmal wie verliebt sein
Ich meine frisch, so wie am ersten Tag
Ach ich wußte, wenn ich was Nettes sag
Nun laß mich doch erst mal reden
Ist es nötig, mir wirklich jeden
Satz im Mund zu verdrehen
Das macht echt keine Lust
Mit dir auszugehen

Laß uns lieb sein
Und nicht ganz so betrübt sein
Ein bißchen weniger verkrampft
Nicht immer der alte Kampf
Wer schuld an wessen Laune ist
Früher fandest du auch
Daß es zum staunen ist
Wir gut wir zusammen passen
Du konntest es gar nicht fassen
Verzeih, ich weiß, das ist fern
Trotzdem erinnere ich mich gern

Laß uns lieb sein
Nochmal wie verliebt sein
Wie am ersten Tag
Hör, was ich dir sag
Laß uns einfach so tun
Als ginge es uns prächtig
Laß uns einfach so tun
Als juckte es uns noch mächtig
Laß uns einfach so tun
Als kennten wir uns nicht seit Jahren
Laß uns einfach so tun
Wie wir taten, als wir noch glücklich waren

20 - Hoffnung ist Routine

Wir werden zu alt zu krank zu gierig
Wir sind zu faul wir sind zu frei
Wir werden verwöhnt wir werden schwierig
Doch damit ist es jetzt vorbei

Denn die Wissenschaft kann endlich zeigen
Die Freiheit wird uns bald vernichten
Nur wenn wir schuften, buckeln, schweigen
Wird der Markt es noch mal richten

Die Zeichen der Zeit stehen auf Bescheidenheit
Der Feind hält sich bereit macht sich breit tut uns leid
Wir sind zu kühn wir sind zu schlau
Wir sind zu grün zu lau zu grau
Wir sind zu rot
Und morgen sind wir tot

Das ist das Ende der Geschichte
Der Mensch ist nur Maschine
Das ist das Ende der Geschichte
Alle Hoffnung ist Routine

Wie Lächeln ein Reflex
Den man nicht beheben kann
Ein harmloser Spaß wie Sex
Ohne den man nicht leben kann

Aber Hoffnung tut keinem weh
Zur Hoffnung muß man keinen prügeln
Ja wenn ich es recht versteh’
Können manche ihre Hoffnung gar nicht zügeln

Die sind mal alt mal krank mal gierig
Die sind faul und die sind frei
Aber wird es einmal schwierig
Stehen sie auf und stehen dir bei

Die sind kühn und schlau und grün und grau
Und blau und schwarz und rot
Aber so lange sie noch leben
Sind sie eben noch nicht tot

Das ist das Ende der Geschichte
Für die, die davon nichts verstehen
Geschichte ist, so lang Geschichten
Auch mal schlecht ausgehen

So lange zwei noch hoffen
Bleibt ein Türchen offen

2015 - Das graue Album

das graue Album
...

1 - Ferngespräch

Werter Freund, wie geht es Dir?
Möchtest Du nicht rüberkommen?
So auf drei, vier Liter Bier...
- Die Frühschicht hast Du übernommen?

Und wie wär's mit nach den Tagen?
Ich muß Dir nämlich was erzählen,
Und wollt’ Dich da auch noch was fragen...
- Die Schichten könnt Ihr gar nicht wählen?

Ich hab’ da nämlich was geschrieben,
Wollt’ Dich fragen, ob's gefällt,
Ich hab’ es aufgeteilt in sieben...
- Hast Dir's mit dem Chef verprellt?

Hast Du Samstag denn nicht frei?
Wir haben ewig nicht Musik gemacht;
Die Andern wären auch dabei,
Wir machen durch die ganze Nacht,

Ganz wie in alten Zeiten.
Oder malen, oder Witze machen,
Das kann ich ganz leicht vorbereiten...
- Ach, Dir ist gar nicht zum lachen?!

Trübsal blasen können wir auch -
Du weißt, ich kann gut zuhören -
Und fressen uns danach den Bauch...
- Na gut, ich wollt’ nicht stören!

Ein ander Mal, bis dann!
Er wollt’ es sicher nicht so meinen.
Wenn ich jetzt einsam bin dann kann
Ich ja ein bißchen weinen.


Oder du rufst an
Ist auch ganz egal, wann
Du weißt, dass ich nicht mit jedem kann
Mann, ich brauch wen zum reden, Mann!

2 - Du machst mich funk

Du machst mich

Was bist du hübsch anzusehen
Von diesem Kopf bis zu den kleinen Zehen
Du bringst bei mir alles zum Stehen

Kein Grund mich so anzusehen
Kein Grund jetzt abzudrehen
Ich hab halt Lust mit dir ins Bett zu gehen
Lass mich nicht flehen

Du machst mich / Du machst mich funk
Du machst mich punk / Du machst mich

Es ist dein Gang / Dein Arsch deine Art
Der Gesang / Deiner Stimme / Es ist hart
Mit dir zu sein / Und ohne dich ich / Red das nicht klein
Ich meine ich / Mach das seit Jahren mit
Du spielst mit mir / Und ich spiele mit
Deinen Haaren / Ich sehe dich an
Oh Mann wie nur ein Mann wie ich
Dich ansehen kann / Fass mir in den Schritt

Auch andere sind groß / Haben einen Hintern
Einen Schoß / Zum drin überwintern
Aber die haben keine Klasse / Keinen Stil
Spiel mit mir spiel / Was ich an anderen hasse
Ist das was mir an dir schon immer gefiel

Nein, nein! Es hat keinen Sinn / Das kann darf wird nicht mehr sein
Ich komm zur Vernunft / Ich schmeiß alles hin / In Zukunft
Gehst du nicht mehr so / Mit mir um
Nimms mir nicht krumm / Wo, wo? nirgendwo
Findest du einen wie mich / Ach Scheiß / Ich weiß du weißt
Nirgendwo finde ich eine wie dich / Es geht im Kreis

Was bist du hübsch anzusehen
Kein Grund jetzt abzudrehen
Ich hab Lust mit dir ins Bett zu gehen
Lass mich nicht flehen

Du bringst alles zum Stehen
Ich will mit dir über den Jordan gehen
Du zwingst mich alles niederzumäen
Was - bist - du - hart - auszustehen!

Ej, vielen Dank / Du machst mich / Du machst mich funk
Du machst mich punk / Du machst mich KRANK

3 - Will ich bei Dir sein

Keine Sorge ich schaff’ das allein
Sag ich mir und dir und glaube dran
Ich bin alt genug mal stark zu sein und wenn ich schrei’n
Will dann weniger aus Angst als aus Stolz aber dann

Will ich bei dir sein

Ein Tag kann so leer sein
Egal wohin, egal wie viel man so treibt
Wachbleiben kann so schwer sein
Wenn über allem dieser Traumschleier bleibt

Will ich bei dir sein

Wenn der Tag kommt, dauert oder geht
Wenn wieder dieser Ostwind weht
Wenn der Dödel mal nicht ganz so steht
Wenn mir jemand ein Geheimnis verrät

Wenn ein Buch mit Es war einmal anfängt
Auf dem Klo das Papier zu hoch hängt
Wenn mich einer vom Radweg abdrängt
Die zweite Packung Kippen die Gefäße verengt

Wenn mir wieder mal gar nichts einfällt
Außer allem Elend dieser Welt
Mir in der Kneipe wer die Türe aufhält
Und die Barfrau sagt mir der Arsch hat die Zeche geprellt

Wenn die Glotze schon wieder nichts bringt
Eines unserer Mädchen mit der Endlichkeit ringt
Wenn der Sommer nach Laubbläsern stinkt
Einen Tag lang wirklich alles oder gar nichts gelingt

Will ich bei dir sein

Bei jedem beschissenen Liebeslied
Von Adamo, Juliette Greco
Im Radio, auf Video oder scheiß drauf wo

Jedesmal beim Abschied
Wenn es zieht
Wenn man sieht
Auch dir gehts so (2x)

Will ich bei dir sein

4 - Danke, dass Du gehst

Warst du fast froh war ich froh
Meist warst du anderswo
Dann gings gerade so
Oft warst du gegen dich
Das ging auch gegen mich

Was hast du geschäumt / Aber dann gelegentlich
Wars zwischenmenschlich / Beinah so wie geträumt

Das Hin und Her / Das kann ich nicht mehr
-----
Es ist zum Heulen lass uns lachen
Darunter drei Kreuze damit unseren Frieden daraus keinen Grabenkrieg machen
Seien wir statt unglücklich unschicklich
Seien wir statt entsetzlich nicht mehr so verletzlich
Seien wir statt schwere Ketten vielleicht noch zu retten
Seien wir kein Paar mehr, seien wir wieder wunderbar, mehr
Seien wir statt Schuld und Groll Ungeduld, Geduld und liebestoll
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Danke für die Zeit
Und dass sie vorbei ist
Dass es dir jetzt einerlei ist
Wenn hier wer was ins Mikro schreit

Danke dass du gehst Mit Gewalt
Ich war nicht so weit Danke schon mal
Falls du verstehst Ich brauche jetzt Zeit
Das übliche halt

Danke für jeden Tag jede Nacht Danke für den Hass
Danke für alles, was es mir jetzt leichter macht

5 - Ich tu mir leid

Ich sag stopp
Ich muss gerad mal weinen
Nicht wegen dem Job
Denn ich hab ja keinen

Noch halten die Knochen
Die Zähne, die Haare
Gut, der Arzt hat nicht versprochen
Das bleibt auch so die nächsten Jahre

Trotzdem bin ich keine arme Sau
Hab keinen Ärger weil keine Frau
Denn die hat einen Neuen
Worüber sich auch die Kinder freuen

Das Sorgerecht hat sie bekommen
Und ich hab keinen Stress zu Haus
Denn die Möbel hat sie auch mitgenommen
Und die leere Wohnung kehrt sich so viel schneller aus

Jetzt zwickt es hier und schmerzt es da
Doch ich hab Bier und komme klar
Es gibt immer zu trinken, es gibt immer zu rauchen
Und ist man am ertrinken, kann man immer noch tauchen

Als Kinder fragten wir Wieso-Weshalb-Warum
Damals sagten wir Wer nicht fragt bleibt dumm
Jetzt bleib ich stumm
Bring mich nicht um

Tu mir nur leid
Mannomann tu mich mir leid

6 - Gern

Gern, gern, gern, gern, gern
Kann es so weitergehen
Darf es sich weiterdrehen
Gern, gern, gern, gern, gern
Schwindlig wir's nur vom Rumstehen
Und Zusehen

Fern, fern, fern, fern, fern
Ist schon das tägliche Stillstehen
Denn auch dies, dies, dies wird vorübergehen
Wenn die Kleider wehen
Wir uns weiterdrehen

Nimm dich selbst an die Hand
Zwei Schritte vor, einen zurück
Tanzt du an der Wand vorbei
Zum Strick oder zum Glück
Es ist einerlei
Einerlei
Alles geht vorbei

Gern, gern, gern, gern, gern
Kann es noch weitergehen
Darf es sich noch weiterdrehen
Gern, gern, gern, gern, gern
Darf es noch schneller sein
Laden wir auch Freunde ein
Seien wir gemeinsam
Ein bisschen weniger einsam

Gern, gern, gern, gern, gern
Gern, gern, gern, gern
Laden wir auch Freunde ein

Seien wir gemeinsam
Ein bisschen weniger einsam
Ein bisschen weniger einsam

7 - Die Wahrheit

Das kann man doch nicht so lassen
Das ist doch nicht zu fassen
Das kann doch nicht so bleiben
Auch wenn sich manche schon die Hände reiben
Das wird niemals so durchgehen
Wie soll man das denn durchstehen
Das hält doch keiner aus
Ach komm ich gehe jetzt nach Haus
Sei still ich mach mich fort
Ich glaube dir kein Wort
Was du auch sagst
Ich... ich will das nicht hören
Und überhaupt
Du schneist hier rein
Was fällt dir eigentlich ein
Mich in meinem Schlaf zu stören

Die Wahrheit ist die geilste aller Frauen
Einmal drauf kann man ihr nicht mehr widerstehen
Die Wahrheit ist die schlimmste aller Frauen
Die Wahrheit ist wir werden untergehen.

Und wenn wir es verschweigen
Und wenn wir darüber reden
Mit dem Finger darauf zeigen
Uns schwören, von jetzt an jeden
Tag uns zu bessern
Wenn wir was dagegen tun
Nicht alles gleich verwässern
Was ist, wenn wir nicht ruhen
Bevor nicht alles gesagt ist
Bevor nicht alles hinterfragt ist
Klar mit Blick auf die Gefühle
Keiner will dass man zu sehr darin wühle
Keiner will verlieren
Schon gar nicht das Gesicht
Keiner will kapieren
Darum gehts überhaupt nicht

Die Wahrheit ist die geilste aller Frauen
Einmal drauf kann man ihr nicht mehr widerstehen
Die Wahrheit ist die schlimmste aller Frauen
Die Wahrheit ist wir werden untergehen.

8 - Woanders hin

Man hat verlernt zu fragen
Zum Beispiel warum
Man schämt sich zu klagen
Und bleibt stumm
----
War das schon alles
Darf das schon alles gewesen sein
---
Das Leben ist hier und heute
Man macht sich nicht verrückt
Es heißt, es seien schon Leute
Aus Bequemlichkeit erstickt
---
Es geht immer weiter (so)
Und sei es zurück
Und irgendwo (anders)
Ist das Glück

9 - Krummes Holz

Das Protestgeschrei wird leise
Irgendwann ist es zu dumm
Denn bin ich auch noch lange nicht weise
Ist das Leben doch bald wieder rum

Man arrangiert sich, etabliert sich
Assimiliert sich, korrumpiert sich
Träumt vielleicht noch von der Revolution
Doch im Grunde fürchtet man sie schon

Klar, das ist noch nicht das Ende
Vielleicht kommt ja noch die Wende
Doch auch am vorvorletzten Tag
Frag ich mich schon, woran es lag

Klar, nicht jeder kann es schaffen
Und jede Arbeit ist unbequem
Ich machte mich niemals zum Affen
Vielleicht ist das das Problem

Auch ich bin aus viel zu krummem Holz geschnitzt
Auch ich bin leider nur sterblich
Auch ich bin viel zu geil und stolz auf mich
Jetzt sitz ich da und fürchte, das ist erblich

Dass meine Kinder die gleichen Wege gehen
Umdrehen, nicht verstehen, worum es geht
Dass sie irgendwann vor einem Scherbenhaufen stehen
Und sich fragen, warum habe ich gelebt

10 - Endlich bei Dir

Man steht im Wald vor lauter Bäumen
Wie der Ochs vorm Berg auf dem Eis
Fühlt sich zu alt, will nichts versäumen
Ist ein Zwerg auf dem falschen Gleis

Findet Halt nur in den Träumen
Mal was anderes zu versuchen
Nicht das große Glück
Nur ein kleines Stück
Aber von einem anderen Kuchen

Das malt man sich so aus
Weit weg zu gehen doch dann
Findet man nicht raus
Bleibt an der Maschine stehen
Ist ja gut

Rauszugehen in die Welt,
Aber erst fehlt das Geld
Dann der Mut, dann der Sinn
Ist man so eingeschnürt
Weiß man doch immerhin
Dass nichts passiert
Wenn man mal fällt

---------

Aber dann gehts nicht mehr
Es kommt zum ersten Schritt
Am Anfang sind die Beine noch schwer
Aber ziehen dich irgendwie mit

Und der Himmel reißt auf
Alles nimmt seinen Lauf

Egal was man gewählt hat
Oder irgendwer erzählt hat
Was immer es sein sollte
Was immer man eigentlich wollte

Du wolltest fort von hier
Und findest dort zu dir

Regeneriert, interessiert, high und fraglos
Desillusioniert, aber frei und klaglos
Gar nicht Bangen und Hoffen, gelassen
Entspannt, abgebrannt, aber offen, nicht zu fassen

Du wolltest fort von hier
Und bist endlich bei dir

11 - Paarreime

2 Natron für den Bauch
2 Flügel für den Schall und für den Rauch
(Ach und zum Fliegen. Sicher. Auch.)
2 Cent für mein Talent
2 Eltern für den Mai
2 Kinder fürs Geschrei und für was nur der kennt
Der 2mal mit derselben pennt
2 Lorbeern für den Ruhm und den Salat
2 Eier für den Sex und den Spinat
2 Schuhe für den Fall des Knalles
Für den letzten Tag
An dem ich nur noch laufen mag
Und eine Frau für alles

12 - Leute

Leute sind nicht wie sie scheinen
Leute sind nicht wie sie meinen
Leute sind nicht wie sie wollen
Leute sind nicht wie sie sollen
Leute sind nicht wie ich find
Wie gute Leute sind
Dass sie mich nicht mit ihrem Kram langweilen
Und völlig meine Meinung teilen

Leute tun nur was sie wollen
Leute tun nicht was sie sollen
Leute sind einfach zu dumm
Leute nehmens mir noch krumm
Wenn ich ihnen sag, Leute schaut mal her
Das ist doch nicht so schwer
So und so hab ich mir das gedacht
Dass auch euch das Freude macht

Oh ich bin gar nicht allein
Ich hoffe das kommt jetzt nicht so rüber
Ich bin glücklich und alles es geht mir fein
Und für den Abend sagen wir Schwamm drüber
Das wird gehen ich gehe jetzt ins Bett
Am Ende wars ja noch ganz nett
Man lernt so viele Leute kennen
Und irgendwann muss man ja auch mal pennen

Du geh mal aus dir raus
Und sei es nur für heute
Du schick mich nicht nach Haus
Wie die anderen Leute

13 - Es geht mir zu gut

Wir haben wieder ein Land im Sport besiegt
Egal was irgendwo sonst im Argen liegt
Und wenn uns morgen die Welt um die Ohren fliegt
Hat Deutschland noch mal 3 A von der Rating Agentur gekriegt

Es geht bergab seit wer weiß wie vielen Jahren
Und gerade mir ist die Angst nicht wirklich neu
Erst gestern habe ich wieder kein Auge zugetan
Doch jetzt ist das weil ich mich aufs Aufstehen freu

Es geht mir zu gut
Bis auf die Knochen bis aufs Blut
Ich hab mit meinen Sorgen
Mindestens bis morgen
Nichts am Hut

Sag mir nicht, mein Lächeln sei irgendwie schief
Bloß weil du mich so gut gelaunt nicht kennst
Sag mir nicht, das sei nur das Hoch vor dem Tief
Solang du selbst mit deinen Sorgen in die Kneipe rennst

Wenn es um Weltangst geht
Bin ich der letzte
Der andere Verletzte, Gehetzte
Nicht versteht

Doch überall ist ein kleines Glück versteckt
Sieh doch nur, wie die Kinder toben
Bis irgendwer was anderes entdeckt
Wird das Ende der Welt erstmal verschoben

14 - Ganz normal

Ein Sitzfleischladenleben
Gott, was ich mich freu
Auf mein Hamsterkäfigstreu
Aber auch nicht zu knapp

Auf ein Sandspielkastenbeben
Nicht die Revolution
Will den Löffel ja nicht ab
Aber schon sonst alles geben

Bin auf Irr-, Kreuz-, Butterfahrt
Allein in der Masse
So bleibt das Leben knüppelhart
Selbst in der Ersten Klasse

Was nützt mir all mein Taschengeld
Das Wissen um den Kummer
Ich brauch zur Rettung dieser Welt
Ne Spendenkontonummer

Demonstra- und Petitionen
„Kenn ich“, „mag ich“, „kauf ich“ klicken
Müll trennen, die Umwelt schonen
Fröhlich für den Urwald ficken

Mal was echt Gewagtes bloggen:
„Ökowende – ich mach mit!“
Grüner noch als Rad und joggen
Ist ein Tank voll Biosprit

Boykottieren, sich empören
Weihnachten mal wenig schenken
Aber nicht die Wirtschaft stören
An die Arbeitsplätze denken

Abgenutzten Kram verkaufen
Ruhig mal in den Kisten wühlen
Mit ’nem Penner Rotwein saufen
Und sich dabei prächtig fühlen

Bücher lesen, die beschreiben
Wie’s zur Not auch anders ginge
Aber bitte offen bleiben
Jeder mag halt andere Dinge

Nicht zuviel auf einmal wagen
Sich belohnen, sich was gönnen
Wollen wir das Böse schlagen
Müssen wir bequem sein können

So tanzen wir am Abgrund
Solang das hier noch klappt und
Tun, als hätten wir die Wahl
Tun, als wär das ganz normal

Axel will ein Medium fragen
Betsi kann sich nie entscheiden
Christos kann sich nur beklagen
Dina muss die Wohnung meiden

Emre lebt jetzt auf der Straße
Frieda muss sich Kleider kaufen
Gina wünscht sich Modelmaße
Hagen denkt nur noch ans Saufen

Ida kratzt sich, wenn sie isst
Jens, weil sie ihn nicht mehr liebt
Kim, weil sie sie nicht vergisst
Und Lars, weil es die Menschheit gibt

Martha mag Gewalt und schämt sich
Nele trägt nur Schwarz und schweigt
Orhan hält sich für zu dämlich
Wenn er einmal Schwäche zeigt

Paul hat ein, zwei Pfund Intimschmuck
Quentin Tatoos im Gesicht
Rosa mag’s, wenn man sie anspuckt
Stan, wenn man von Nazis spricht

Tina, Udo, Vadim wollen
Aussteigen und Bomben bauen
Werner hat was lernen sollen
Und nur noch Lust abzuhauen

Xu und Yves betreiben Drogen-,
Waffen-, Sexgeldschiebereien
Zoe hat sich nie verbogen
Schreibt sich in ’ner Sekte ein

Wir – all die, du und ich
Wir richten uns ein
Jeder für sich sind wir klein
Und so sollen wir auch sein

Ich du er sie es wir ihr sie, wer weiß
Was wir zustande brächten
Wir nur anders dächten
Gemeinsam. Hat einer ’ne Idee?
Ich guck gleich mal am PC

15 - Kurios

Ich bin dir zu groß, ich bin dir klein
Es ist kurios, an deiner Seite zu sein
Du bist gar nicht schlecht, du kommst mir gelegen
Und es wär mir ganz recht, durch die Betten zu fegen

Erst rufst du mich an, dann lässt du es bleiben
Dann mailst du ich kann mich wenn ich will an dir reiben
Ich sag gib mal Gas, ich sag lass dir Zeit
Ist alles nur Spaß und ich bin jetzt bereit

Halt doch einer mal die Uhr an
Halt doch wenigstens du still
Lieb mich, hass mich, ich glaub nur dann
Weiß ich vielleicht, was ich will

Komm, wir gehen ein paar Meter
Frag nicht, was soll das geben
Komm, wir denken nicht an später
Vielleicht ist das schon das Leben

Halt doch einer mal die Uhr an
Halt doch wenigstens du still
Lieb mich, hass mich, ich glaub nur dann
Weiß ich vielleicht, was ich will

16 - Tanzt

Meine sehr verehrten Damen und Herrn, Ihre Lieblings-2-Mann-Kombo Grau biedert sich ungern bis nie dem breiten Publikum an, das sie nicht hat, aber zeigt dann gern, was sie kann.

Auch wenn wir im Proberaum bleiben: Besteht ein Rhythmus partout auf sein Eigenleben möchten wir, und sei’s als Stilbediener, Kleinverdiener unser Ding auf die Spitze treiben, alles oder sagen wir zumindest unseren Senf abgeben, mit dem Schlagzeug mit den Bässen beben, was man so tut, wenn die Musik ins Blut, wenn es uns mal zu gut geht.

Warum labern alle inklusive Grau nur von der Liebe, ist ja nicht so, als ob da nichts anderes bliebe. Es heißt, im Popzirkus sei es nicht klug, was zu wagen, doch wir sagen, wir sind unbedeutend, alt jung dumm schlau abgebrüht genug für ein paar Fragen zu einer Musik, die nicht die unsere aber tanzbar ist, schmutzig und rein, grob, laut und fein, bei der man die Politik beim Tanzen nicht vergisst. Und umgekehrt. So muss Musik sein.

Tanzt! Amüsiert euch!
Tanzt! Und trainiert euch!
Tanzt! Epiliert euch, macht euch fein!
Wer nicht gut aussieht kann nur Luhser sein!

Politik ist Leben. Leben ist Zeit. Die freie Zeit, die bleibt. Was man so treibt, ist man mal von der Arbeit befreit. Arbeit ist Metro-Boulot-Dodo, auf deutsch Rackern-Rückfahrt-Ratzen, der Heulkrampf auf dem Firmenklo und mit Kollegen schwatzen, Aha oho, euch geht’s ebenso?

Man kann’s an den Augen seh’n, aber Ihr wollt noch was werden, würdet niemals gesteh’n, dass ihr leidet wie wir, wie ein Tier. Ist da keiner mehr auf Erden der für mehr aufsteht als bloß für ein Bier?

Meine sehr verehrten Damen, Unentschlossenen, Kinder, Tiere und Herrn
Gern, gern, gern, gern würden wir bloß einmal mehr `nen Stil kopieren, das Profil polieren, blödeln, lachen, tanzen und vom Spiel nichts kapieren.

Leider müssen wir politisch kommen, müssen hier kritisch kommen, es gibt durchaus Leute, die sagen, es sei was faul an dieser Welt, es gibt Leute, die fragen, warum zahle ich fürs Wohnen, warum essen manche gar nichts und mein Schlachtvieh frisst Bohnen, wo kommt eigentlich der Sprit her, wo kommt der Shit her, für wen und was halten wir uns fit und fitter, wo ist mein Leben, wie kann es das geben, dass wir tagsüber sorgenschwer immer weiter machen, abends drüber lachen, als gäb’s kein Morgen mehr, wie kann man wissen, es läuft beschissen, und sich nicht daran stören, so viel vermissen ohne aufzuhören?

Tanzt! Amüsiert euch!
Tanzt! Und trainiert euch!
Tanzt! Operiert euch, macht euch fein!
Wer nicht gut aussieht muss ein Luhser sein!

Wenn ihr glaubt ihr habt’s geschnallt und habt die Weisheit gefressen
Wenn ihr wisst, dass es bald knallt, aber wollt den Spaß nicht vergessen
Wenn ihr meint, dass das so weitergeht, sich alles mit ’nem bisschen Willen,
lautstarkem Protest im Stillen weiterdreht, sag ich

Tanzt! Informiert euch!
Tanzt! Echauffiert euch!
Tanzt! Und gruppiert euch, fühlt euch gut!
Der größte Spaß ist die gerechte Wut!

Der Planet geht vor die Hunde, Kriege stehen vor der Tür, machen die Runde,
wegen Zutaten für all den Kram, der jetzt unerlässlich ist, egal, wie schädlich, asozial,
egal wie hässlich er ist, wir sollen konsumieren, produzieren, Urlaub davon finanzieren.

Wir wollen doch nur spielen
Und ein bisschen auf die anderen schielen
Die dürfen auch so glücklich sein wie wir
Oder sogar mehr. Aber dann bitte sehr nicht hier
Irgendwo sonst auf der Welt
Und mit ihrem eigenen Geld

Tanzt! Amüsiert euch!
Tanzt! Und trainiert euch!
Tanzt! Kostümiert euch, macht euch fein!
Wer nicht gut aussieht wird ein Luhser sein!

Tanzt! Und formiert euch!
Tanzt! U-ni-formiert euch!
Tanzt euch Hand in Hand um den Verstand und an die Wand!

17 - Laßt Euch Zeit

Ihr seid noch klein
Lasst euch mit allen Sorgen Zeit
Wie wird es sein
Wenn ihr erst großgeworden seid
Was findet ihr vor?
Was steht euch bevor?

18 - Morgenmusik

Wir verwirklichen uns nicht
Wir sind nicht wir während der Zeit
Wir verlieren uns
Und finden uns nachher darin wieder
So ist es kein Verdienst, Musik zu machen
Allenfalls bemerkenswert
Mit welcher Ruhe wir uns stellen
Klar ist etwas in uns drin
Klar tritt es hervor
Und wird schmutzig, wenn es unsere Finger führt
Aufnehmen ist das Größte
Aufnehmen ist das Größte
Kinder tragen unseren Namen
Die wir empfangen und nicht groß gezogen haben
Nicht empfangen aber groß gezogen haben
Irgendwann waren sie da
Reden von uns
Wie Städte von ihren Erbauern oder bloß wie
Ruinenspuren am Nachbarhaus
Stücke unseren Fleisches
Dampfen auf unseren Tellern
Und so wie sie die unseren sind
Blutig und verkocht
In jedem Falle ungenießbar
Wollen wir sie laufen machen
Monster
Von Schrauben festgehalten
Ein Wunder, dass sie leben
Schleichen sie durch unser Leben
Wir sind nicht wir, wenn wir sie schaffen
Wir sind nicht wir, wenn sie geschaffen
Samstags kommen wir nach Hause
Unsere Eltern, unsere älteren Geschwister
Verweisen uns auf unsere Plätze
Erzählen unsere Geschichten
Kramen alles hervor
Und beleben und belegen es mit Bildern
In denen wir uns selber kaum erkennen
Gehversuche
Schwimmversuche
Angst vor Nichts
Die Bilder zeigen uns mit offenen Mündern
Verschweigen
Was wir noch sagen wollten
Unverkennbar leuchten wir
In fremden Farben
Spuraufnahmen, Stillleben
Außenaufnahmen von Innenleben
Zu sehr sind wir wir währen der Zeit
Mutwillig prügeln wir schlaftrunkene Hunde
Zum Apportieren der Pantoffeln ihrer eigentlichen Herrn
Wir tragen die prächtigen und viel zu großen Kleider
Wie Kreuze, schwere Kettenhemden
Können sie nicht kombinieren oder
Schneidern Fetzen
Zu Lumpen
Abbilder mit falscher Unterschrift
Verschwommen und gerastert
Verzerrt
Manchmal
Wenn wir nur trinken wollen
Ziehen wir Tiere aus dem Brunnen
Sehen uns und Angst und Hunger
In ihren lichtscheuen Augen
Zu sehr sind wir wir, wenn wir nicht graben wollen
Wenn wir müde sind und satt und ängstlich
Wie nach dem Siegesmahl im Feindesland
Wie wenn man einen Schatz gefunden
Wie auf dem Gipfel wenn ein Sturm aufzieht
Wenn wir Lüftchen auf unsere Mühlen lenken
Und glauben Stürme eingefangen, einen Sack Mehl in der Hand
Zum Siegesmahl gibt’s Graubrot
Zum Siegesmahl gibt’s Graubrot
Wenn wir die Schätze unverkenntlich prägen
Oder zu Barren schmelzen, unsere Wände abzustützen
In denen sie alleine gelten
Brennen wir Ziegel
Oft verwalten wir bloß
Tümpel eines letzten Regens
Angeln, stechen Torf
Wo’s lange schon gefault
Was wir auch sind, samstags
Wir verschenken uns
Nicht umsonst
Manchmal graben wir in alten Minen
Manchmal bauen wir an
Manchmal staubt es im Museum
Manchmal sind die Kinder zu Besuch
Die Eltern, die Geschwister
Nie sind wir allein
Und stehen wir nur im Dreck
Samstags sind wir Aufnehmer
Machen
Musik die man nicht tanzen kann
Musik die man nicht hören kann
Und
Schweigen
Musik die klingt
Als sei sie keine
Klänge wie
Jeden Tag
Ein anderer
Musik die die Tiere
Aufstört
Und Menschen
In uns
Ein Unwohlsein
Im Magendarmbereich
Quirlt und schlägt und
Kämmt und glättet
Schlafenlegt
Musik die fordert
Unerträglich ist
Und immer da
Soundtrack
Geräusch
Wenn wir uns schlafenlegen
Aufstehn
Musik die lauter ist
Als alles was wir kennen
Eigenfrequenzen
Musik wie selten
Gut gestimmte Trommeln
Rückkopplungen
In Messehallen, Bässe
Enden
Von Effektkettenreaktionen
Die nicht enden
Ohne zu zerstören
Musik wie zwischen den Sendern
Musik für morgen

19 - Auf der Kippe

Wir wollten uns ein Bunker
Eine Kathedrale sein
Das Fundament ist da
Allein
Von beinah
Sieben Jahren Müll verschüttet
Darauf stehen irgendwo
Du und ich, wir
Kaum über Nullniveau
Der Boden unter uns
Zerrüttet

Das haben wir aufgeschichtet
Und zu zweit erklommen
Andere würden Fahnen hissen
Oder niemals so weit kommen
Wären fortgerannt, erstickt, vernichtet
Wir sind nicht zerrissen
Sind nur auf den Knien
In der Trennung
Was verbaut, verbrannt
Vergessen werden kann
Und was verziehen

Irgendwann
Vielleicht in einem Jahr
Wenn uns nicht doch
Das Gift hinrafft
In dem wir wühlen
Können wir zwei Hausherrn sein
Als unverschämtes Paar
Oder im Loch
In guter Nachbarschaft
Das Fundament ist da
Man kann es beinah fühlen

20 - Wieder von vorn

Ich hab mich zurückgetraut, ich war spazieren
Ist so viel unverdaut, verbaut, nicht zu kapieren

Aber die Orte können nichts dafür
Am Ende aller Worte lebe ich nun mal hier

Ich versetze mich hinein in das Kind das ich war
Ich meine nicht vor zwanzig, dreißig, nein,
Ich meine noch vor einem Jahr

Warum lief das alles so lang, warum lief das alles so schief
In welchem Traum war ich gefangen, wieviel ist vergangen,
während ich schlief

Wer immer dafür da ist, gib mir noch etwas Zeit
Gott sei Dank bin ich Atheist aber immerhin bereit

Auch wenn die Zeichen noch nicht auf Frohsinn stehn und das Herz
immer noch blutet
In vielem einen Sinn zu sehen wo mancher ihn nicht vermutet

Kein Blick zurück im Zorn
Zum Glück beginnt dieses Stück noch einmal von vorn
In neuer Besetzung, und unter Verletzung
des Originals, denn anders als das letzte Mal
Mach ich die Tragödie zur Komödie

Bin mir nicht zu blöde, zu tanzen, zu lachen
Das Stück zu meinem eigenen zu machen
Man hat nur diesen einen Tanz
Also tanzen wir ihn ganz


Noch einmal von vorn
Und kein Blick zurück im Zorn
Immer wieder von vorn
Von vorn


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